BAMIN: durch ein fruchtbares Feuchtgebiet baut mein keine Strasse!

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Die letzten Tage habe ich gemeinsam mit unseren CPT-Mitarbeitern die Bauernfamilien und Siedlergemeinschaften im Küstenstreifen nahe der südlich gelegenen Stadt Ilhéus – Bahia – besucht. Viele dieser Familien sind direkt von einem gigantischen Bauvorhaben, dem Hafenprojekt Porto Sul, dass sich wie ein Geschwür vom Landesinneren Richtung Küste ausbreitet betroffen. Dieses gigantische Projekt, steht in direkter Verbindung mit dem Bau der Eisenbahntrasse (=FIOL) und des Abbaus von Eisenerz durch die BAMIN (=Bahia Mineração) in Caetité. Tausende von Bauernfamilien, mit denen wir direkt in Kontakt sind, sind von diesen Bauvorhaben betroffen und haben nicht unbegründet Angst alles zu verlieren, was sie sich in mühevoller Arbeit und über die vielen Jahre aufgebaut haben.

1. Tag: in der Gemeinde Itariri

Wir fahren ins Landesinnere, es hat frisch geregnet und die Landschaft ist grün und überall blüht es. Die hügelige Landschaft ist durchzogen von unzähligen Wasserquellen und Feuchtgebieten. Unsere erste Station machen wir im Dorf Itariri.

Dona Everalda

Hier treffen wir Dona Everalda, Mitte 50, sie lebt seit ihrer Geburt hier in dieser Region. Sie empfängt uns sehr freundlich und beginnt uns gleich aufgeregt über ihre Situation zu berichten. Im Gespräch erzählt sie uns: “die Leute von der BAMIN sind einfach gekommen und haben auf meinen Felder Markierungen platziert. Anschliessend haben sie mir gesagt, dass hier zukünftig eine Zufahrtstrasse zum Verladeplatz des Hafens durchführen soll.” Gemeinsam gehen wir auf ihre Felder, die in einem kleinen Tal liegen und dort zeigt sie uns die Markierungen. Dieses Tal, ein Feuchtgebiet mit mehreren Wasserquellen steht während der Regenzeit vollständig unter Wasser.

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Wir können uns kaum vorstellen das es möglich ist hier eine Strasse zu errichten. Wir nehmen via GPS die Basisdaten der Wasserquellen auf, machen Fotos von all dem angepflanzten – Kakao, Bananen, Cupuaçu, Siriguella, Caja, Mangos, Kürbissen, Bohnen, Okraschroten, und vielem mehr – all dies, pflanzt sie für ihren Eigengebrauch an und verkauft vieles auf dem Wochenmarkt. Wie sie selbst sagt, lebt sie bescheiden, aber es fehlt ihr an nichts. Im abschliessenden Interview äussert sie sich sehr besorgt: “viele der Familien hier haben so wie ich nur einen kleinen Streifen Land und falls diese 60 Meter breite Strasse gebaut wird, wird sie viele von uns um ihre Existenz bringen.” Zurück in ihrem Haus, trinken wir noch einen Schluck Kaffee und dann geht es weiter zu den nächsten Familien.

An diesem Tag, treffen wir in weiterer Folge noch mehrere Bauernfamilien aus dem Dorf, und was sich zuerst wie ein vermeintliches Einzelschicksal angehört hat, wiederholt sich während des restlichen Tages auf den Feldern von Dona Miralda, Seu José,…

So zum Beispiel auch bei Seu João, bereits über 80 jahre alt, der uns mit zitternder und erboster Stimme erzählt: “sie (Arbeiter der BAMIN) sind einfach gekommen, sind in meine Felder eingedrungen ohne mich zu fragen, haben mit ihren Vermessungsarbeiten begonnen und sind anschliessend wieder verschwunden”.

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Seu João lebt seit 14 Jahren hier in diesem Gebiet und wie er selbst sagt, hat er sich das Land vor Jahren gekauft um sich hier mit seiner Tochter niederzulassen. Gemeinsam wollte er nichts anderes alls seine Pension und letzten Lebensjahre in Ruhe zu verbringen. Er geht noch täglich aufs Feld, baut die verschiedensten Obst- und Gemüsesorten an und lebt gut davon. Doch es sollte noch schlimmer kommen, den wie er uns weiter berichtet waren sie neuerlich wieder da: “vor ein paar Tagen waren sie wieder hier, sie haben mir erklärt das hier eine Strasse errichtet werden soll, und sie wird direkt über mein Haus führen. Sie haben mir einen Zettel in die Hand gedrückt und gesagt ich soll mich am 13. März in einem Hotel in Ilhéus bei ihnen melden, um über meine Abfertigung zu verhandlen.”

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Er ist übrigens nicht der einzige der eine Vorladung bekommen hat. Von vielen Familien erfahren wir das auch sie “eingeladen” wurden von der BAMIN in das vermeintlich Hotel.

Am selben Abend setzen wir uns noch mit den Bauern zusammen. Nach längerem beraten wird gemeinsam entschieden, dass sich niemand bei der Firma individuell melden wird. Wenn die Bauern sich zusammen organisieren ist dies die einzige Möglichkeit gegenüber einer solchen Firma etwas zu bewirken. Sie werden sich mit den Verantwortlichen der BAMIN nur gemeinsam in ihrem Dorf treffen, den da fühlen sie sich sicherer und können sich gemeinsam stärken. In weiterer Folge, anschliessend an diese Woche in der wir noch mehrere Dörfer und betroffene Bauern besuchen werden, möchten wir versuchen gemeinsam mit den Bauern beim zuständigen Staatsanwaltschaft einen Termin vereinbaren. Wir werden sehen ob wir dort auf ein offenes Ohr stossen und die Bauern mit Unterstützung rechnen können. 

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