BAMIN: eine Strasse füllt keine leeren Bäuche…

morgens

Am zweiten Tag, brechen wir bereits in der Dämmerung auf. Wir haben uns mit den Familien des vor 14 Jahren enteigneten Grossgrundbesitzes im Dorf Bom Gosto vereinbart. Auch hier sind die Familien sehr besorgt über ihre Situation und die letzten Ereignisse. Wir frühstücken gemeinsam mit Seu João Ferreira und seiner Familie, es gibt Früchte, Süsskartoffeln, Aipim und gegrilltes Fleisch. Er ist über 40, Familienvater von 9 Kindern, hat schon viel miterlebt, aber der Kampf um ein Stück Land hat in keineswegs Müde gemacht und er gibt sich kämpferisch: die Regierung will uns um unsere Wasserquellen bringen, aber das werden wir nicht zulassen. Wasser bedeutet Leben, und ohne Wasser gibt es kein Überleben.” Nach dem ausgiebigen Frühstück gehen wir mit Seu João Ferreira und seinen Nachbarn auf die Felder. Auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie am Vortag.

Kakaoplantage

Überall, quer durch die tiefer gelegenen Feuchtgebiete mit unzähligen Wasserquellen und Anpflanzungen, treffen wir auf die Strassenmarkierungen die von den Mitarbeitern der BAMIN hinterlassen wurden. Unser Begleiter erzählt uns: “Alls ich eines Tages vom Wochenmarkt aus der Stadt nach Hause kam, hatten sie mehrere meiner Obstbäume gefällt und überall fand ich diese Markierungen vor. Sie haben die Situation genützt und sind einfach auf meine Felder ohne irgendwelche Erlaubnis.”

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Auch hier nehmen wir wie am Vortag die Daten via GPS der Wasserquellen, der gefällten Bäume und Markierungen auf. Diese Daten sind wichtig als Beweise um in weiterer Folge eine öffentliche Zivilklage einzureichen. Auf unserem Fussmarsch zurück ins Dorf treffen wir Seu Joaquim. Auch er zeigt uns auf seinen Felder die Markierungen, die direkt neben einem Bach liegen. Er erklärt uns: “ die Leute (BAMIN) haben uns bis heute noch keine vernünftige Auskunft gegeben über die ganze Situation. Sie haben uns nur gesagt, dass uns die Strasse in Zukunft grossen Nutzen bringen wird.” Wie er selbst sagt, hat er ihnen mit folgendem Satz darauf geantwortet: “wenn eine Strasse leere Bäuche fühlen würde, dann würden alle die am Strassenrand angesiedelt sind, gut leben!”

Zurück im Dorf verabschieden wir uns von den Bauern. Wir fahren weiter zu ihrem Nachbarn und treffen dort Seu Raimundo. Er arbeitet bei Seu Márcio auf der Fazenda Boa Esperança. Es ist eine ausgesprochen schöne Gegend, er schaut hier auf die Rinder, die Kakao- und Obstplantage und einer der letzten Ausläufer des atlantischen Regenwaldes.

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Auch hier waren die Mitarbeiter der BAMIN bereits tätig. Seu Raimundo schildert uns seine Sicht: “sie (BAMIN) waren hier, haben uns viel Geld versprochen, aber damit wollen sie uns nur ködern und anschliessend betrügen. Man darf ihnen kein Wort glauben von dem was sie uns sagen”. Wir bitten ihn uns die Markierungen zu zeigen. Er führt uns in einen wunderschönen Wald, mit artengeschützten Bäumen von über 30 Meter Höhe. Hier erzählt er uns im gehen, soll der Verladeplatz gebaut werden. Über die Strasse und offene Containerwagons soll das Eisenerz hier zum verladen gestapelt werden. Von hier weg, wird das Eisenerz dann über ein riesiges Förderband bis zur Küste gebracht. Während der Bauphase sollen hier im 4 Minuten Takt riesige LKW´s mit Geröll bis zur Küste vorbeidonnern. Dieses Geröll wird dort gebraucht, um einen Steindamm aufzubauen und die Wellen zu brechen. Wir verbringen fast den ganzen Nachmittag im Wald.

Seu Raimundo

Unser Begleiter zeigt uns die verschiedenen Markierungen, geschützten Baumarten, führt uns über Quellen und kleine Bäche, erklärt uns wie die verschiedensten Hausmittel aus den Pflanzen, Blättern, Rinden,… gewonnen werden kann. All dies hat er von seinem Vater überliefert bekommen, ein für uns uneinschätzbarer Reichtum an Wissen und Erfahrung. Abschliessend trinken wir noch ein Glas frisches Quellwasser, und Seu Raimundo denkt laut nach: “was werden sie wohl mit uns machen, wo sollen unser Kinder in Zukunft leben falls hier eine Strasse und eine Verladestation für den Hafen gebaut wird. Das dürfen wir keinesfalls zulassen.” Die Stimmung ist gedrückt, wir selbst wollen und können uns das alles nicht vorstellen. Wir kommen uns vor wie in einem falschen Film. Aber aus Erfahrung wissen wir, dass die brasilianische Regierung, sowie die transnationalen Firmen und Investoren vor nichts zurückschrecken. Trotzdem sprechen wir Seu Raimundo Mut zu, versprechen ihm wiederzukommen und ihn und die Bauern in ihrem Widerstand zu unterstützen und alles nur mögliche zu unternehmen damit es nicht zu dieser Zerstörung kommen wird.

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