PORTO SUL: wer soll den Preis des „Wachstums“ bezahlen?

Der vierte und vorläufig letzte Tag unserer kleinen Tour durch die Region Ilhéus und Besuch bei den von den Bauvorhaben der BAMIN und vom Porto Sul direkt betroffenen Bauern und Fischern. Wir sind zurück in der Stadt Ilhéus, hier sagt man uns das die Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Hafenprojekt steht. Sie erwarten sich neue Arbeitsplätze, mehr Einnahmen und Entwicklung.

Frühmorgens brechen wir auf um Dona Marinês, die wir auf Landansiedlung Bom Gosto bereits Anfang Woche besucht haben, auf dem Wochenmarkt Guanabara, im Zentrum von Ilhéus, zu treffen. Sie kommt täglich auf den Markt und bietet der Stadtbevölkerung ihre Früchte und ihr Gemüse an.

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Ihr Obst und Gemüse, wie sie mehrmals betont, ist aus organischen Anbau. Sie verwendet keine Spritzmittel oder anderen giftigen Substanzen. Auf ihrem Marktstand herrscht regens treiben, sie hat viele Stammkunden und erzählt uns: “ich komme seit Jahren täglich hier her, ich bringe immer fünf Kisten voll mit gutem Essen und verkaufe alles. Wer einmal bei mir eingekauft hat, kommt immer wieder.” Wir fragen sie ob ihre Kundschaft über ihr Schicksal bescheid weiß? Was werden die Leute die bis heute bei ihr einkaufen in Zukunft zu essen bekommen, falls die Strasse durch ihre Feuchtgebiete gebaut wird. Dona Marinês zeigt sich nachdenklich: “bis jetzt wissen die Leute noch nicht´s über unser Problem, aber von heute an, werde ich sie täglich damit konfontieren und sie um Unterstützung bitten. Den wenn wir unsere Quellen verlieren, gibt es für die Leute von hier, aber auch bei mir zuhause nicht´s mehr zu essen. Von was soll ich dann noch überleben?” Nach dem wir uns noch mit ein paar Kundschaften von Dona Marinês unterhalten haben, verabschieden wir uns von ihr. Wir haben noch einen Interviewtermin mit dem Bischof von Ilhéus, Dom Mauro Montagnolli.

Wir fahren aus dem Stadtzentrum Richtung Norden. Der Verkehr ist dicht, wir kommen nur im Schneckentempo voran. Nach fast einer Stunde im Stau, haben wir scheint´s das schlimmste hinter uns und kommen endlich in den Stadtteil in dem Dom Mauro seit Jahren lebt. Wir bleiben vor seinem Haus stehen und läuten. Er selbst öffnet uns die Tür.

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Er hat uns bereits erwartet. Wir trinken gemeinsam einen Kaffee und unterhalten uns über die verschiedensten Dinge aus dem Alltag. In weiterer Folge kommen wir auf das Hafenprojekt zu sprechen. Dom Mauro hat vor drei Jahren in diesem Zusammenhang einen scharfen Brief an die Gläubigen seiner Diözese geschrieben. Damals hat er betont, das noch viel zu viele Fragen über die Auswirkungen und Gefahren dieses Projektes von den zuständigen Regierungsstellen nicht beantwortet wurden. Wir wollen nun von ihm wissen wie er die Situation heute betrachtet. Er erzählt uns: “ich bin nicht gegen die Entwicklung, aber es fehlen immer noch viele Antworten und Erklärungen gegenüber den ausgesprochenen Befürchtungen und Zweifel der lokalen Bevölkerung. Wir wissen das diese Mega-Projekte grosse Probleme mit sich bringen”. Im Gespräch betont er, das es als Kirche unsere Pflicht ist den Armen beizustehen und ihnen zu helfen um sich zu verteidigen. Unser Interview endet mit seinen folgenden Worten: “Sie (Armen) dürfen auf keinen Fall mit dem Verlust ihrer Existenz den Preis des Wachstums bezahlen”. Wir bedanken uns für die Zeit und das Gespräch und verabschieden uns von Dom Mauro und der Region Ilhéus.

Wie wird sich die Situation entwickeln? Wir wissen es nicht?

Im Anschluss an unseren Besuch geht es nun an das aufarbeiten des Materials. Wir müssen die Bilder und das Filmmaterial sichten, die Szenen für das Video über die Situation der Bauern- und Fischerfamilien aussuchen und zusammenschneiden. Die Karte mit den Daten die wir via GPS aufgenommen haben muss erstellt werden. Zusammen müssen wir die Zivilklage ausarbeiten und anschliessend bei der Staatsanwaltschaft einreichen. Ein Vernetzungstreffen unter den Bauern und Fischern mit Teilnahme verschiedener NGO´s aus Ilhéus und Region soll organisiert werden. Wie ihr seht, es gibt viel zu tun, in der Hoffnung das wir somit gemeinsam mit den Familien das schlimmste Verhindern können. Trotzdem sind wir uns bewusst, das die Kräfteverhältnisse in diesem Kampf sehr ungleich verteilt sind.

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