Claudia – eine Gesellschaft in Fetzen!

die wahre Waffe gegen die Polizei

Auch wenn man glaubt bereits vieles gesehen und erlebt zu haben, gibt es leider immer noch eine Steigerung. Ich habe Euch ja vor ein paar Wochen von dem Jugendlichen erzählt, der in der Stadt Rio de Janeiro an einen Strassenpfosten angekettet, von drei Männern die sich selbst als „Punisher“ (Verbrecherjäger) bezeichneten, brutal zugerichtet wurde (mehr unter: „schwarzes angekettetes billiges Fleisch“ – https://tbauerblog.wordpress.com/2014/02/05/schwarzes-angekettetes-billiges-fleisch/)

So auch in dieser Woche, als am 17. März, Claudia Silva Ferreira, Mutter von 04 Kinder, die sich zusätzlich um weitere vier Nichten kümmerte, aus der Favela Morro da Congonha (Madureira) in der Stadt Rio de Janeiro von der Polizei auf brutale Art und Weise umgebracht wurde. Eigentlich wollte sie nur kurz Brot und Wurst kaufen, dabei wurde sie aber Opfer eines Schusswechsels zwischen der Polizei und den Drogenkurieren in der laut Regierung bereits pazifizierten Favela. Für die Pazifizierung wurde im Jahr 2008 ein bundesstaatliches Programm mit eigener Polizeieinheit ins Leben gerufen. Die sogenannte Friedenspolizei (UPP = Unidade de Polícia Pacificadora) soll nach der gewaltsamen Eroberung einer Favela dafür sorgen, dass sich die Bevölkerung sicher fühlen kann, sowie das Drogenhandel und Kommandoherrschaft nicht zurückkehren. Laut Zeugenberichten haben die Polizisten – Detail am Rande: Friedenspolizei! – in weiterer Folge den noch lebenden Körper in den Kofferraum ihres Polizeiautos verfrachtet. Beim Anfahren öffnete sich der Kofferraumdeckel, der Körper von Claudia rutschte aus dem Auto und einer ihrer Kleidungsstücke verfing sich in der Stossstange.

Claudia-Silva-Ferreira-sendo-arrastada

So wurde sie über 250 Meter mitgeschleift. Laut Augenzeugen: „Es war furchtbar den leblosen, hinter dem Auto hängenden Körper mitzuverfolgen. Sie (die Polizei) haben mehrere Autos überholt, und der Körper ist immer wieder auf dem Boden aufgeprallt. Die Leute am Strassenrand brüllten, versuchten die Polizisten aufmerksam zu machen, aber sie haben nichts gehört. Sie sind dann an einer Ampel stehen geblieben, und erst dann, haben sie die schreienden Leute bemerkt“.

Leider häufen sich diese Ereignisse in unglaublicher Geschwindigkeit. Die Brutalität und Unmenschlichkeit ist dabei unverzeihbar. Zum Grossteil handelt es sich um Opfer die eines gemeinsam haben. Sie sind arm, schwarz und jung.

Vieles scheint dabei manchmal “fast natürlich”, und wird nur publik wegen der Fotos oder Videos von Leuten mit sehr viel Zivilcourage – so auch in diesem Fall – die sie übers Internet veröffentlichen und dabei manchmal ihr eigenes Leben riskieren. Von offizieller Stelle würden wir von diesen Vorfällen wohl kaum erfahren. In diesem Zusammenhang frage ich mich immer wieder, leben wir wirklich noch in einer Zeit der Krisen, so wie vielfach behauptet wird. Ist die Realität nicht viel schlimmer, den Krisen setzen zur Voraussetzung das wir sie überwinden können, aus der heutigen Situation, gibt es aber vielleicht bereits kein zurück mehr.

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