Der unbezahlbare Reichtum: Wasser!

Schon vor Jahrzehnten sprach der charismatische Wanderprediger Antonio Conselheiro seine Prophezeiung aus: “Die sertão wird sich in ein Meer verwandeln, und das Meer wird zur sertão werden“. Noch ist es nicht ganz so weit, doch hat sich die Situation im halbtrockenen Hinterland (=sertão) für viele Bauernfamilien im Nordosten Brasiliens, in den letzten Jahren sehr verändert.

Dies wird sehr schnell deutlich bei einem Gespräch mit Dona Francisca: „die Regenwasserzisterne hat mein Leben zum bessern verändert, früher musste ich täglich das vielfach verdreckte Wasser in den umliegenden, oft kilometerweiten Wassertümpeln in der Umgebung suchen und nach Hause tragen“.

Regenwasserzisterne

In den früheren immer wiederkehrenden Dürreperioden, hätten wir wahrscheinlich Dona Francisco mit ihrer Familie nicht in ihrem Haus angetroffen. Für viele Bauernfamilien galt die Migration in den Süden, als einziger Ausweg, in der Hoffnung eine Arbeit zu finden, um somit das notwendigste zum Überleben zu garantieren.

Umso erfreulicher ist es nun, während einer neuerlichen längeren Dürreperiode zu sehen, das die Lebenssituationen einer Vielzahl von Bauernfamilien sich deutlich verbessert haben. Diese positive Veränderung war nur möglich, durch die Stärkung der Zivilgesellschaft (sozialen Pastoralen, NGO´s, ASA,…) die vermehrt gegenüber der brasilianischen Regierung begonnen hat ihre Rechte einzufordern. Die einfachen billigen Regenwasserzisternen, wo in der Regenzeit das Dachwasser aufgefangen wird, gilt für viele Familien als Garantie um ausreichend Trinkwasser sammeln zu können für die darauf folgende Trockenperiode. Früher mussten sie oft tagelang auf die Wassertankwagen der Stadtverwaltung warten, oder kilometerlange Fussmärsche auf sich nehmen um das notwendige Wasser zu garantieren. Im ganzen Nordosten wurden, bis Anfang des Jahres, 523.654 dieser Zisternen aufgebaut.

Für viele bedeutet dies die erste Möglichkeit sich intensiver mit den angepassten Lebens- und Produktionsweisen auseinanderzusetzen. Eine Zisterne alleine reicht natürlich bei weitem nicht aus, aber es ist der Beginn eines möglichem nachhaltigen Zusammenlebens mit der Natur. Dafür sind weitere Wasserspeicher notwendig für den Anbau von Getreide, Gemüse und Obst sowie die Ziegen- und Schafzucht. Eine angepasste Schulbildung, die Verarbeitung und Vermarktung der Früchte, dies um nur einige der weiteren notwendigen Schritte zu nennen.

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In diesem Zusammenhang ist es wichtig der Bevölkerung bewusst zu machen, dass das größte Problem nicht die Wasserknappheit ist, den es regnet im Jahr bis zu 700mm – im Vergleich dazu regnet es in gewissen Gebieten wie Israel nur 150mm – sondern in den meisten Fällen die Konzentration von Land und Wasser. Laut offiziellen Angaben besitzen 92% aller Bauernfamilien im halbtrockenen Nordosten nicht ausreichend Land für ihre existenzielle Absicherung. Dies obwohl die schon längst anstehende, aber nie umgesetzte Agrarreform in der brasilianischen Verfassung verankert ist. Den ohne ein Stück Land kann nicht einmal ein Tropfen Regenwasser aufgefangen werden.

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