Brejo Grande: Avatar ist hier!

 

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Die letzten zwei Tage war ich bei den Bauern in den Dörfern Brejo Grande, Santo Antonio und Limoeiro im Bezirk Campo Formoso, im Norden von Bahia. Die drei Dörfer liegen eingebettet am Fuss eines kleinen Berges in idyllischer Lage. Doch die Situation täuscht, den die Familien leben schon seit Jahrzehnten direkt neben einem Bergwerk das ihnen zu schaffen macht. Die verantwortliche Firma FERBASA baut hier im 24-Stunden-Takt über Tag Eisenerz ab.


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Sobald ich in Brejo Grande, ein kleines Dorf mit 300 Familien, aus dem Auto steige, begleiten mich die monotonen Geräusche der Baumaschinen die über dem Dorf ihre Kreise ziehen. Seu Bobo, ein kleiner älterer Mann, Bauer und Betreiber einer kleinen Bar im Dorf empfängt, mich herzlich. Seit Jahren arbeiten wir mit den Familien zusammen und unterstützen sie in dem Versuch ihre Lebenssituation zu verbessern. Auf die Frage, was gibt es neues, antwortet er im ersten Moment nur mit einem verschmitzten lächeln. Anschliessend erzählt er mir das sich seit meinem letzten Besuch nicht viel verändert hat.

 

Das letzte Mal war ich vor gut vier Monaten hier. Gemeinsam mit den Familien haben wir uns damals den PRAD (=Plan zur Renaturierung der vom Bergbau betroffenen degradierten Flächen) angeschaut. Dieses Dokument ist von Gesetz her vorgeschrieben, und muss von der jeweiligen Firma, vor den Schürfarbeiten beim Umweltamt vorgestellt werden. Weiters muss das Dokument öffentlich aufliegen und zugänglich sein. Dies war in diesem Fall aber nicht so, und wir haben sage und schreibe acht Monate gebraucht bis wir über die Staatsanwaltschaft zu dem Papier gekommen sind. Nach dem wir das Dokument analysiert haben waren wir allerdings nicht weiter darüber verwundert. Den einige angeführte Punkte werden von der Firma bis heute nicht befolgt.

 

Aus diesem Grund bin ich nun wieder hier. Wir haben ausgemacht das Gebiet zu besichtigen und uns das ganz vor Ort genauer anzuschauen.

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Unsere erste Station ist die Schule Geraldina Carvalho, laut Angaben der Firma FERBASA, haben hier täglich SchülerInnen aus den drei Dörfern die Möglichkeit die Schule zu besuchen. Als wir dort ankommen ist das Tor geschlossen. Wir fragen den Wächter ob es heute keinen Schulunterricht gibt? Er erwidert uns nur lächelnd: „diese Schule hat das letzte Mal vor zwölf Jahren funktioniert. Seit dem ist sie geschlossen.“

 

Wir fahren weiter, es ist Mittag, und die Minenarbeiter haben sich zum Mittagessen zurückgezogen. Zeit für uns um ungesehen auf das Firmengelände zu kommen. Wir fahren zur neu entstehenden Deponie aus dem nicht verwendbaren Material die gerade aufgeschüttet wird. Dort vermuten wir eine der Wasserquellen die früher das Dorf versorgt hat. Zuerst auf der Deponie, sehen wir nichts von der Quelle, beim hinunterfahren entscheiden wir uns noch beim hinteren Teil vorbeizufahren und hier stossen wir auf ein erschreckendes Bild. Am Fuss des aufgeschütteten Materials, ein kleines Rinnsal, das sich aus der Deponie kämpft. In diesem Zusammenhang zeigt mir Seu Bobo eine Liste mit 26 Wasserquellen die früher die Dörfer mit Wasser versorgt haben. Heute sagt er mir, hat jedes Dorf gerade noch eine oder vielleicht zwei intakte Wasserquellen, die restlichen wurden von der Bergbaufirma zerstört oder zugeschüttet.

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Nun wird es Zeit das Gebiet wieder zu verlassen, die Arbeiter werden gleich zurück sein von ihrem Mittagessen, und wir haben keine Lust sie hier anzutreffen. Wir fahren weiter in das Dorf Santo Antonio. Hier haben wir uns am Vorabend mit Dona Rosa und Seu Edvaldo für heute verabredet. Sie führen uns zu einem Krater der aus dem Felsen gesprengt wurde. Hier erzählen sie uns hat alles begonnen. Die ganze Region ist voll von Kratern die offen von der Firma zurückgelassen wurden. Auch dies war laut dem PRAD nicht so vorgesehen. Nach dem auch sie ihre Wasserquellen verloren haben, sind sie abhängig vom Regenwasser das sich in einem dieser Krater sammelt. Das Wasser ist grün, riecht schlecht und sie erzählen das vielfach nur eine braune Suppe aus den Wasserleitungen kommt. Für dieses ungenießbare und nicht aufbearbeitete Wasser bezahlen sie eine hohe Summe, umgerechnet fast 10% des aktuellen Monatslohns.

Es ist ein Wahnsinn und zum Teil unverständlich was wir in zwei Tagen erlebt haben. Wie skrupellos die Bergbaufirma FERBASA gegenüber den Menschen hier vorgeht. Wie es scheint zählt ausschließlich der Gewinn, das hier Familien leben ist nur ein Detail am Rande. Ihnen wird hier die Chance für eine lebenswerte Zukunft schlichtweg ohne Rücksicht auf Verluste entzogen. Trotzdem lassen sich die Familien nicht unterkriegen, sie haben die Nase voll von den leeren Versprechungen, haben sich organisiert, wollen ihre Rechte einfordern und brauchen dabei unsere Unterstützung.

 

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