Wann werden wir endlich die Wahrheit über die Konsequenzen der Strahlenbelastung erfahren?

Die letzten Tage drehte sich bei uns alles um den Uranabbau, sowie die gravierenden Konsequenzen für die lokale Bevölkerung in der Umgebung der einzig in Betrieb befindlichen aktiven Uranmine Lateinamerikas. Gemeinsam mit Bruno Chareyron, Leiter der französischen NGO CRIIRAD (Commission for Independent Research and Information about RADiation), Marcelo Firpo und Renan Finamore des staatlichen Institutes Fiocruz, den Mitgliedern der Umweltkommission der Pfarre Caetité sowie den CPT Mitarbeitern hatten wir ein volles Programm.

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Die ersten zwei Tage waren gefüllt mit einem sehr interessanten Workshop der von Bruno geleitet wurde. Hier gab es für die AnrainerInnen der Uranmine und für einige MitarbeiterInnen der INB (Industrias Nucleares do Brasil) die Möglichkeit mehr über die entstehenden Gefahren beim Urannabbau, die Radioaktivität und Radonbelastung zu erfahren. Im zweiten praktischen Teil des Workshops ging es um die Möglichkeiten der Überwachung und wie sich die lokale Bevölkerung schützen kann. Die TeilnehmerInnen haben dabei gelernt wie man mit verschiedenen Messgeräten die Strahlenbelastung (alpha, beta und gamma) messen kann. Im Anschluss an den Workshop wurden die Geräte von Bruno an die Gemeinden, ArbeiterInnen und Pfarre übergeben. Somit besteht für uns nun die Möglichkeit die Messungen selbst durchzuführen.

In den zwei darauf folgenden Tagen sind wir ähnlich wie bei Brunos erstem Besuch das Gebiet und die Dörfer rund um die Uranmine abgefahren um Messungen vorzunehmen. Die Ergebnisse waren dabei neuerlich erschreckend. Waren die Messungen vor zwei Jahren in Riacho da Vaca sechs bis acht mal höher als erlaubt, haben wir diesmal am Strassenrand stark uranbelastetes Material entdeckt.

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Laut den lokalen AnrainernInnen wurde dieses Material von der INB verwendet als die Zufahrtstrasse errichtet wurde. Die ersten Messungen haben eine Strahlenbelastung von bis zum zehnfachen über dem Grenzwert ergeben. Für Bruno war diese Situation übrigens nicht neu, den laut seiner Auskunft wurde verstrahltes Material in den 90-Jahren auch in Frankreich für diese Zwecke verwendet.

Am letzten Tag unseres intensiven Programms kam es noch zu einer von uns einberufenen öffentlichen Debate in den Räumlichkeiten der lokalen Universität. Hier gab es für die lokale Bevölkerung zum ersten Mal die Möglichkeit, mehr über die vorläufigen Ergebnisse der vor zwei Jahren initiierten Studie, in Zusammenarbeit mit CRIIRAD und dem staatlichen Institut Fiocruz, über die Anzahl der Krebserkrankungen und der Strahlenbelastung zu erfahren.

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Für viele der Anwesenden waren die Ergebnisse sehr erschreckend und sie waren sichtlich schockiert. An verschiedenen Orten an denen wir Messungen durchführten waren die Ergebnisse weit über dem Grenzwert. Dazu kommt, dass die Messergebnisse sich nur auf die Strahlenbelastung der Erde, des Wassers und der Luft bezieht, nicht aber auf landwirtschaftlichen Produkte aus dem Umkreis, die von der Stadtbevölkerung täglich auf dem Mittagstisch verzehrt werden. Im Anschluss haben die Mitarbeiter vom staatlichen Institut Fiocruz über die ersten Anzeichen der Erhöhung der Krebsrate gesprochen. Davon betroffen sind vor allem Kleinkinder und Jugendliche.

Leider, trotz unserer Einladung, wollten sich die Verantwortlichen der staatlichen Uranfirma INB neuerlich nicht über die Probleme und momentane Situation äussern. Ihrerseits versuchen sie den Vorwürfen aus dem Weg zu gehen und ködern die Bevölkerung mit Versprechungen und kleinen finanziellen Unterstützungen.

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