Fazendeiro Jayme do Amor in Untersuchungshaft wegen Mord an Bauern

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Seit langem wissen und berichten uns die Bauernfamilien aus dem Quilombo (=Niederlassung ehemaliger schwarzafrikanischer Sklaven) der Gemeinde Boa Vista do Pixaim von den Gefahren denen sie in ihrem Alltag ausgesetzt sind. Die 270 Familien wohnen neben dem São Francisco Fluss, 677km von Salvador entfernt im Bezirk Muquem do São Francisco. Dies ist ein sehr trockenes Gebiet im Hinterland von Bahia und dem entsprechend gross sind die Auseinandersetzungen um Wasser und Land in diesem konfliktreichen Territorium.

Der Konflikt mit Jayme do Amor, einem sehr einflussreichen Besitzer eines grossen Schlachthofes „Frijoa“ und Herr einer grossen Rinderschar in der Region, raubt den Bauern vorort schon seit vielen Jahren den Schlaf. So erzählte mir Janileide da Silva Pinto, eine der Verantwortlichen der Dorfgemeinschaft eines Tages: „Wir leben hier in ständiger Angst. Wir trauen uns nicht mehr zum See am Flussufer, er (Fazendeiro) lässt dort niemanden mehr fischen, er hat unser Land einfach eingezäunt und uns den Zugang versperrt.“ Die Familien leben heute auf knapp 60 ha die ihnen noch übrig geblieben sind, von allen Seiten her wurden sie von Jayme do Amor mit Stacheldrahtzäunen eingezäunt, und schlagen sich mehr schlecht als recht durch. Immer wieder waren sie in den letzten Jahren den brutalen Attacken der schwerbewaffneten und mit Polizeiuniform auftretenden Pistoleiros ausgesetzt die sie bedrohten und schon mehrmals ihre Zäune, angebauten Gebiete und Felder zerstörten.

Trotz dieser schwierigen Ausgangslage haben die Familien noch nie den Mut verloren und kämpfen um das Territorium ihrer Vorfahren und eigenes überleben. In diesem Zusammenhang, vor gut einem Jahr, im Jänner 2013, nach dem vorerst Unbekannte den Bauern Ernandes Oliveira dos Santos, 26 Jahre, erschossen haben, hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Nach dem die lokale Polizei sehr schnell die Ermittlungen eingestellt hat, haben die Bauernfamilien selbst die Lage in die Hand genommen und die ersten Indizien führten seit Beginn zu Jaime do Amor und seinen Mitarbeitern. Nach einigen Monaten und Nachforschungen gelang es der Gemeinde mit unserer Hilfe Ende letzten Jahres den Fazendeiro mit seinen Pistoleiros vor der Kommission gegen Konflikte und Gewalt auf dem Land (=Comissão de combate a violência no campo) anzuzeigen.

Anhand dieser Anzeige kam es nun endlich zur Festnahme von Jayme do Amor und seinen Mitarbeitern. Währen der Festnahmen wurden insgesamt 15 Gewehre und Pistolen mit unzähliger Munition beschlagnamt.

Jayme do Amor_Waffenarsenal

Gemeinsam mit den Familien hoffen wir nun das die Verantwortlichen – Auftraggeber und Ausführer – des Mordes von Ernandes dafür bestraft werden und das die Familien in weiterer Folge ihr ganzes Territorium  zurückerobern können. Aus Erfahrung wissen wir aber das der Kampf von Reich und Arm, meist zu Gunsten der selben ausgeht.

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