Vom Winde verweht…

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Die letzten Tage habe ich gemeinsam mit den Mitarbeitern der Landpastoralkommission (=CPT) aus dem Osten Bahias mehrere Dörfer im Hochland des Bezirks Gentio do Ouro (677 km von Salvador entfernt) besucht. Schon seit mehreren Monaten haben uns die Leute aus dieser Region immer wieder angesprochen und um Hilfe gebeten. Die Situation der traditionell angesiedelten Bauernfamilien ist nach unserem Lokalaugenschein noch beunruhigender als ihre bis langen Schilderungen. Hatten sie bis vor wenigen Monaten ein eher ruhiges Leben geführt, hat sich dies mittlerweile schlagartig verändert.

Seit einigen Monaten nämlich buhlen vier Windenergiekonzerne um ihre Gunst. Laut den Familien versucht jeder der Konzerne sie mit noch lukrativeren Angeboten zu ködern. Im selben Zug machen sie sich dann über die Konkurrenz her und bitten die Bauern keineswegs den Verantwortlichen der anderen Konzerne zu glauben. Somit haben sich unzählige Konflikte unter den Vertretern der verschiedenen Gemeinden und den Firmen selbst entwickelt.

Das schlimme dabei ist, das die Familien noch nie von den Konzernen über ihre Pläne informiert wurden. In keinem der von uns besuchten Dörfer haben die Windkonzerne ihre Bauvorhaben gegenüber den Familien präsentiert. In allen Fällen haben sie nur individuell, mit einigen wenigen Kontakt aufgenommen und ihnen dubiose Verträge vorgelegt um ihnen ihre Ländereien abzukaufen oder zu pachten. Einige der Familien haben Anhand der Versprechungen vom schnellem Geld – ohne die Verträge vorher durchzulesen, oder wegen dem scheinbar grossen Zeitdruck unter dem die Verantwortlichen stehen – kurzerhand unterschrieben. Erst jetzt nach unseren gemeinsamen Gesprächen und Erzählungen wurde den Bauern_innen bewusst in welche Situation sie sich dabei begeben haben. Dazu kommt, das sie bis jetzt vielfach nur 10% der versprochenen Summe erhalten haben, und nun zu Recht erbost sind über das Verhalten von Seiten der verschiedenen Windkonzernen.

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Dabei kommt es noch schlimmer, den die individuellen eher kleinen Gebiete der einzelnen Bauern sind bei weitem nicht das wichtigste für die Konzerne. Sie wollen viel mehr! Es geht um riesige derzeit kollektiv verwaltete Weideflächen die von den Gemeinden seit Jahrzehnten genützt werden, aber offiziell dem Staat gehören. Die Gemeinden, haben zwar das Nutzungsrecht über die selben, aber keine ausdrücklichen Besitzurkunden oder Eintragungen im Grundbuch des Bezirkes, um die Flächen ihr eigen nennen zu können. Dies war für sie bis heute auch nicht notwendig, den sie wissen und respektieren, auch ohne schwer überwindbare Stacheldrahtzäune, ihre mündlich überlieferten Grenzen zwischen den Dörfern.

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Für die Windkonzerne, die mit der grossen Unterstützung unseres Gouverneurs Jaques Wagner, auch bekannt als “Botschafter des Windes” – da eine grosse Summe seiner Wahlkampagne von diesen Konzernen mitfinanziert wurde – rechnen können, sieht die Situation allerdings anders aus. Sie respektieren diese Grenzen nur selten. Dies vor allem, weil sie aus der Praxis wissen, das die Rechtslage meist eine untergeordnete Rolle spielt. Großteils werden die Konflikte nämlich immer noch zugunsten der Stärkeren, und in diesem Fall, der finanzkräftigeren Konzerne entschieden.

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