Folklorismus, Friedenstauben und das Eigentor

– Brasilien verweigert sich selbst zu Beginn der WM ohne Vermächtnisse –

Nun hat die Fussball-WM endlich begonnen. Gut so! Falls ihr Euch Zeit genommen habt und die Eröffnungsfeier aufmerksam mitverfolgt habt, dann könnt ihr Euch jetzt ein gutes Bild von Brasilien machen. Obwohl die Feier von vielen als bedauerlich und sehr abwertend beurteilt wurde, denke ich, das sie sehr gut die derzeitige brasilianische Situation dargestellt hat. Besser noch, wahrscheinlich gerade darum!

Indio Padrão FIFA

Foto: Nilton Fukuda/ Estadão

Den so wie ich es im Alltag immer wieder erlebe, gab es keinen Platz für die außerordentliche Gestaltungskraft und Kreativität des brasilianischen Volkes. Die selbe Bevölkerung übrigens, die fast ergebnislos um ihre Anerkennung kämpft und den Glauben nicht verlieren will, dass sie eines Tages respektvoll behandelt werden wird. Der extra dafür beauftragten belgischen Choreografin ist zu danken, den sie hat dies symbolisch fast perfekt präsentiert. Ein einziger folklorisierter Indigene, isoliert in einem Kanu, ein paar Blumen und von Araukarien – hätten durchaus auch Eucaliptus-, Soja oder Zuckerrohrplantagen sein können – umzingelt. Das zeigt doch sehr schön das gelebte Drama und die überwältigende Zerstörung der Agrarrindustrie die sich während der letzten Jahre über ganz Brasilien ausgebreitet hat. Brasilien ein riesengroßer Weltmarkt und immer gut für finanzkräftige Geschäfte und Renditen!

Anschliessend an die Eröffnungsfeier drei Kinder mit den Friedenstauben. Wie schön wäre doch eine Welt in Frieden. Die Friedenstauben wurden kurzfristig organisiert, weil unsere Präsidentin Dilma und Josef Blatter nicht bereit waren sich lange Pfeifkonzerte anzuhören. Das kann ich auch durchaus verstehen. Doch hätte Dilma nicht wenigstens ihr brasilianisches Sondereinsatzkommando von ihrem Traum einer gewaltfreien Welt vorher informieren sollen. Das wäre denke ich doch nur fair gewesen. Den die Polizei hat derweil in São Paulo ordentlich um sich geschlagen und sich scharfe Gefechte mit der protestierenden Bevölkerung geleistet. Davon haben neuerlich leider auch zwei internationale Journalistinnen etwas abbekommen. Man vergass darauf sie im Vorfeld über die notwendige Journalisten-Ausrüstung (Helm, Schussweste, Gasmaske) zu informieren.

Als Draufgabe noch das schöne Eigentor. Eigentor das von den brasilianischen Sportreportern mit den Worten: “das war aber überhaupt nicht so geplant” kommentiert wurde. Sollte man diesen Kommentar als Konspiration verstehen? Brasilien hat das WM-Ergebniss bereits gekauft? Ein einziger grosser Deal der FIFA und Brasilien? Dies wird sich im Verlauf der Fussball-WM noch zeigen. Zurück zum Eigentor und dem armen Marcelo. Er kam nämlich nicht so gut davon wie der Bananenliebhaber Daniel Alves. Wer erinnert sich nicht daran, als der Außenverteidiger vom FC Barcelona nach dem Bananen-Wurf mit der Anti-Rassismus Aktion: “Wir sind alle Affen, wir sind alle gleich. Nein zu Rassismus” gross punkten konnte. Marcelo allerdings bekam von dieser Kampagne nur sehr wenig zu spüren. Viel mehr wurde er von den unzähligen und sehr vergesslichen brasilianischen Fußballfans mit rassistischen Parolen wie: “eh klar, ist ja ein schwarzer!” so richtig eingedeckt. Brasilien ist eben nicht gleich Brasilien und hat viele verschiedene Gesichter die man sehen kann, aber nicht unbedingt sehen muss, wenn man dies nicht will.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s