Bist Du aus Rio? Alleine? oder eine Weltreise in 200km

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Foto: UOL

Viele von uns verbringen derzeit wahrscheinlich viele Stunden in einer gemütlichen Couch, bei Bier und Snack vor dem modernen Flachbildfernseher und fiebern mit den Stars auf dem grünen Rasen. Es gab schon viel zu sehen! Von gravierenden Fehlentscheidungen, Abseitstoren, apathisch spielenden Spaniern und Portugiesen und sogar bissige Attacken von Wiederholungstäter Suarez.

Schlimmer als die Bisse des Stürmerstars sind die Fehltritte der Fernsehmoderatoren der beliebten Sonntagssendungen des öffentlichen und gern gesehenen “Verblödungskanal” Globo. Allen voran Luciano Huck. Er machte sich für die vor allem bei jungen Leuten sehr beliebte Sendung “Caldeirão do Huck” auf die Suche nach jungen Frauen die sich während der Fussbal-WM einen „Gringo“ angeln wollen. Für dieses Unterfangen hat er auf seinem Facebook und Twitter Profil folgenden Aufruf gestartet: “Bist Du aus Rio? Alleine? Verrückt um Deinen Traumprinzen unter den Gringos zu treffen die Rio de Janeiro während der WM besetzen? Deine Stunde hat geschlagen. Schick uns Fotos und begründe wie Du Deinen maßgeschneiderten Gringo möchtest – namoradaparagringo@globomail.com”.

Gott sei Dank hat er für seinen sexistischen Aufruf, der den ohnehin florierenden Sextourismus noch mehr anheizt, in den sozialen Netzwerken innerhalb kürzester Zeit dermaßen schwere Kritik geerntet, dass er den Beitrag wieder löschen musste.

luciano huck

Eine Weltreise in 200km in die Heimat des Xucuru der Seleção

Von all dem (oder vielleicht zum Glück) haben die Verwandten von Paulinho aus der Stammelf der brasilianischen Seleção allerdings nicht viel mitbekommen. Sie nämlich leben im Dorf des indigenen Stammes der Xucuru, in Pesqueiro, 215 km von der Hauptstadt Recife entfernt, im Bundestaat Pernambuco. Denn dort gibt es bis heute kein fließendes Wasser, keinen Strom und auch kein Handynetz. Versäumt wird kein einziges Match. Ein batteriebetriebenes Radio „Made in China“ bringt die WM in das Dorf.

Paulinho wird von ihnen als Bruder anerkannt, denn sein Vater stammt aus diesem Dorf. Bis heute sprechen seine Verwandten in ihrer eigenen indigenen Sprache, die er selbst allerdings nicht beherrscht. Laut dem indigenen Vorsitzenden im Dorf Mãe Maria: “Er ist der Xucuru der Seleção”. Nur 200km trennen die Küstenmetropole Recife, die gerade jetzt 1000enden WM-Tourist/innen neben packenden Spielen in der „Pernambuco Arena“, einem kilometerlangen Traumstrand, Restaurants und Hotels auf Topnieveau – sprich alle Annehmlichkeiten einer modernen Großstadt – bietet und dem Heimatdorf von Paulinho. So nahe liegen in Brasilien Welten auseinander.

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