Dona Marinalva wäre auch gerne ein paar Stunden ein Star!

PEDIATRIA LOTADA

Ganz Brasilien hatte vor Beginn der Fussball-WM bedenken wegen dem grossen Druck der auf dem Superstar Neymar lastete. Er galt als die grosse Hoffnung auf dem Weg zum sechsten brasilianischen Titel. Doch im Viertelfinalspiel wurde er absolut unerwartet aus seinem Traum gerissen.

Während fünf Spielen, in denen er nicht immer brillant aufspielte, schien alles gut zu laufen. Er schoss die von ihm erwarteten Tore, verwandelte einen Elfmeter, zwei Vorlagen…die letzte, ein Eckball, in ein Tor verwandelt durch den Kapitän Thiago Silva, sollte aber vorerst die letzte sein. Den kurz vor Spielabpfiff am Ende der 2. Halbzeit stoppte der kolumbianische Zúñiga mit seinem Kniestoss abrupt die Träume des brasilianischen Stars und der gesamten Nation.

Trotzdem hat Neymar Glück im Unglück. Denn im Gegensatz zu den 75% der brasilianischen Bevölkerung – ungefähr 155 Millionen Menschen – die abhängig sind vom 1988 ins Leben gerufenen öffentlichen Gesundheitssystem SUS (Sistema Única de Saúde) wurde er prompt untersucht und behandelt.

Das Chaos im öffentlichen Gesundheitssystem ist alarmierend. Laut einer im Mai diesen Jahres veröffentlichten Studie des Bundesrechnungshofes (Tribunal de Contas da União) fehlt es in 81% aller Einrichtungen an geschultem Personal und Ärzten. Gibt es in den Hauptstädten 4,56 Ärzte pro 1000 Einwohner (das entspricht in etwa dem Verhältnis in Österreich), sinkt diese Zahl rapid im Hinterland auf 1 Arzt pro 1000 Einwohner. Dazu kommen die vielfach total überfüllten und prekären vorhandenen Einrichtungen.

So ist es ist keine Seltenheit dass werdende Mütter, oder verunfallte Menschen vor dem Spital abgewiesen werden, da zu wenig Ärzte und Krankenschwestern anwesend sind. Dass kranke Menschen monatelang auf einen Untersuchungstermin warten, oder vor der notwendigen Behandlung schlicht und ergreifend versterben.

So zum Beispiel auch Dona Marinalva, eine gute Bekannte aus Jacobina, die seit gut einem Jahr auf eine Punktion und Biopsie wegen Verdacht auf Brustkrebs wartet. Mittlerweile war sie dreimal in der 330km entfernten Bundeshauptstadt Salvador. Einmal war der Arzt nicht anwesend, dann wurde der notwendige Apparat nicht gewartet,… Somit wartet sie bis heute vergebens auf die notwendige Biopsie und lebt in der ständigen Ungewissheit über einen Tumor in ihrer Brust.

Geht es nach den Ausgaben für das öffentliche Gesundheitssystem ist die Favoritenrolle im Semifinale klar: Denn im Gegensatz zu Brasilien, wo ausschließlich 3,6% des BIP (Bruttoinlandsproduktes) für das Gesundheitssystem aufgewendet werden, ist den deutschen Halbfinalkontrahenten die Gesundheit ihrer BürgerInnen 8,9% ihres (im Ländervergleich fast 4x so hohen) BIP Wert.

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