Eine Fußballnation bricht zusammen?

– oder, wäre es nicht besser ehrlich zu sich selber zu sein –

Präsidentin Dilma Rousseff twitterte große Worte, die Tageszeitungen titelten „Schande“, “Tränen”, “Massaker”, “Das Ende eines Traums”es soll den Anschein erwecken, dass das Ausscheiden der Seleção ein ganzes Land in ein Tal voller Tränen stürzt.

Wenn auch für viele eine Welt zusammenbricht nach dieser historischen und einzigartigen Niederlage, handelt es sich um ein vielleicht sehr treffendes Ergebnis. Warum?

Hoje aprendemos_Coletivo Projeção

Foto: Coletivo Projeção

Die großen Worte treffen auf die Situation in Brasilien zu, und irgendwie haben sie auch mit dem gestrigen Abend zu tun, aber sie hätten fallen sollen in Zusammenhang mit den 170.000 Familien, die von der FIFA und der brasilianischen Regierung vertrieben wurden und die vielfach bis heute keine Entschädigung erhalten haben und ihr Leben von Grund auf neu beginnen müssen. Oder es ist eine „Schande“, dass 52% der brasilianischen Bevölkerung ohne Kanalisation und funktionierendes Abwassersystem leben müssen und fast 7 Millionen Menschen, laut Catarina de Albuquerque, UN-Sonderberichterstatterin für Wasser und Sanitätsversorgung, ohne WC in ihrem Haus auskommen müssen. Weiters ist es eine bittere Niederlage für eine der größten Wirtschaftsnationen dieser Welt, dass 6% der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren keinen Platz in der Schule finden. Oder dass ein Großteil der Menschen die in den neun großen Metropolen Brasiliens leben täglich mit absolut unzureichenden, schlecht organisierten und sehr teuren öffentlichen Verkehrsmittel stundenlang brauchen um ihren Arbeitsplatz zu erreichen.

Es wäre einfach diese Liste fortzuführen, aber das ist nicht der Sinn und Zweck der Sache und ich möchte Euch das auch nicht antun. Aber: das wären Themen und Probleme gewesen zu denen unsere liebe Dilma zu so großen und drastischen Worten hätte greifen können.

Politik darf Fehler machen – genauso wie unsere Seleção. Aber wenn gravierende Fehler passieren, die das Leben von Millionen erschweren, dann sollten unsere Politiker und Politikerinnen sich zumindest wie die Seleção verhalten und sich ein Beispiel an David Luiz nehmen, der sich nach der Niederlage bei der brasilianischen Bevölkerung entschuldigt hat: “Ich bitte Euch alle um Entschuldigung. Ich wollte nur mein Volk lächeln sehen.”

Was wir gestern Abend erlebt haben, das nämlich der brasilianische Fussball, die Superstars,… sich auf diesem Niveau bewegt haben, das hätte sich wahrscheinlich zuvor niemand erwartet. Für die Seleção war es ein Spiel, in der Politik geht es um mehr.

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