Von falschen Indianern und indigenen Warteschlangen

CIMI

Foto: CIMI

Aurino Santos Calazans – 28, Agenor de Souza Júnior – 28 und Ademilson Vieira dos Santos – 36, aus Olivença im Süden des Bundesstaat Bahia, wurden auf ihrem Heimweg aus dem Hinterhalt angeschossen und anschliessend brutal zu Tode gefoltert.

Der Tod der drei Angehörigen des indigenen Volks der Tupinambás ist leider kein Einzelfall. Allein im letzten Jahr 2013 kamen 53 Indigene, beim Versuch sich für ihre in der brasilianischen Verfassung verankerten Rechte einzusetzen, ums Leben.

Der Indigene Missionsrat (=CIMI) veröffentlichte gestern seine jährlich erscheinende “Konfliktbroschüre”. Die Ergebnisse sind bestürzend und beschämend zugleich. Laut Bischof Erwin Kräutler: “die Verleugnung der Indigenen Bevölkerung ist ein Verbrechen gegen das eigene Land, gegen Brasilien”.

Tausende Indigene wurden im selben Jahr Opfer von Menschenrechtsverletzungen, Gewaltakten sowie Hetzkampagnen. Primitiven Hetzkampagnen wie zum Beispiel im Süden von Bahia wo Grossgrundbesitzer am Strassenrand ein riesiges Plakat mit dem Schriftzug: “ihr falschen Indianer – gegen die Demarkierung der indigenen Territorien – Governeur unternimm etwas bevor es zu spät ist”, aufgestellt haben. Über mehrere Monate herrschte in der Umgebung ein Ausnahmezustand und es kam zu mehreren Festnahmen sowie Gewaltakten.

Outdoor contra os Tupinambás no sul da Bahia

Hauptgrund dieser Brutalität ist die Tatsache, dass es kein Interesse seitens der Regierung gibt die Demarkierungen voranzutreiben. Ähnlich wie bei der Agrarreform kam es hier während der Regierungszeit Dilmas zu einem vollständigen Stopp. Ein Grossteil der insgesamt 1.047, von indigenen Völkern beanspruchten Territorien, stehen in der bürokratischen Warteschlange und bei einem weiteren Drittel kam es noch nicht einmal zu einer ersten Begutachtung.

Wie kann ein Land eine derartige Ignoranz gegenüber einem Teil der eigenen Bevölkerung zulassen? Böswillig interpretiert könnte man hinter dem nicht Handeln der Offiziellen auch Kalkül vermuten. Dafür sprechen die von der Regierung geförderten und vielfach subventionierten Megaprojekte wie der Bau von Belo Monte, der sich immer mehr im Amazonas ausbreitenden Soja-Monokulturplantagen, Rinderfarmen und neuen Bergbauprojekten. All diesen Projekten stehen die Indigenen – brutal gesagt – einfach nur im Weg.

Die Ergebnisse des gesamten Jahresbericht findet ihr unter:

http://cimi.org.br/pub/RelatorioViolencia_dados_2013.pdf

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2 Kommentare zu “Von falschen Indianern und indigenen Warteschlangen

  1. Um die Jahrtausendwende (2000 / 2001) besuchte ich mehrfach Brasilien – u.a. Porto Seguro: Dort steht das Kreuz, das die christlichen „Entdecker“ am Strand errichtet hatten, um den Kontinent für sich in Besitz zu nehmen: das Coroa Vermelha.
    Wenige Steinwürfe entfernt die Grenzlinie einer Indianer-Reservation – und ein kleines Museum über ihre Geschichte: die „Häuptlinge“ (wie das die Kolonisten übersezten …) sind über mehrere Generationen aufgeführt: Beim Lesen der kurzgehaltenen Biographien der Pataxo beschleicht einen nach kurzer Zeit ein merkwürdiges Gefühl: Fast jeder setzte sich auf irgendeine Weise für sein Volk ein – und fast jeder ist eines gewaltsamen Todes gestorben … natürliches ‚Ableben‘ war die Ausnahme – BIS HEUTE.

    Geht man ins Anthropolgische Museum in Recife, so findet man (2000 / 2001) große Räumlichkeiten, die der Kolonialgeschichte, dem Zuckeranbau und der Zeit der Sklaverei und deren Aufhebung gewidmet sind – nur EIN ganz kleiner Raum befasst ich, in sehr rudimentärer Weise, mit „den Indianern“, den Ureinwohern …

    Die Ureinwohner sind unerwünscht, lästig – oder als Touristenattraktion geduldet … LandRECHTE oder sonstige Rechte werden ihnen nach wie vor vorenthalten – egal welche Regierung an der Macht ist.

    Gunter Wippel

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