Vier Jahrzehnte Aufbruch, oder: warum es uns leider auch heute noch braucht!

rosbak

„Der Landpastoralkommission (=CPT) und der katholischen Kirche ist es zu verdanken, das die unmenschliche Situation der ländlichen Bevölkerung publik gemacht wurde“. Nein, das sind nicht meine Worte, es sind die Worte des Soziologen José de Sousa Martins, über die unsere jungen Pastoralmitarbeiter_innen letztes Wochenende während der Einschulung zur Geschichte, Methodologie und Spiritualität der CPT gestolpert sind.

Wir blicken zurück ins Jahr 1975: beeinflusst vom frischen Wind in der katholischen Kirche, des zweiten Vatikanischen Konzils und der Konferenz von Medellín, inmitten der brutalen Repression der brasilianischen Militärdiktatur, kommt es zur Geburt der CPT. Es ist dieselbe Zeit, in der weisse Siedler mit Unterstützung des Militärs das Amazonasgebiet besetzen. Es kommt zu unzähligen Konflikten, Ermordungen und Landraub.

In dieser finsteren Zeit der brasilianischen Geschichte sind es Bischöfe, Priester und Pastoralmitarbeiter_innen die auf diese Situation aufmerksam machen. Sie gehen auf die Bauern, Landlosen, Quilombolas (ehemalige schwarz-afrikanische Sklaven),… zu, solidarisieren sich mit ihnen, versuchen ihre Probleme, ihr Leben zu verstehen und beginnen die Familien in ihrem Kampf zu begleiten. Die katholische Kirche wurde zum Sprachrohr der Unterdrückten und Verfolgten. Die Bauern, konnten erstmals auf Unterstützung zählen: In der CPT hatten sie einen Fürsprecher gefunden.

Zurück im Jahr 2014: Brasilien hat sich verändert – wir haben jetzt eine “Demokratie”. Die Situation der ländlichen Bevölkerung, ist aber weiterhin an vielen Ecken und Enden mit der vor fast 40 Jahren zu vergleichen. Waren es damals die Fazendeiros mit ihren Pistoleiros, so ist es heute die moderne Agrarrindustrie, sind es die Bergbaukonzerne, die unzähligen neu entstehenden Windparks mit ihren “für die Sicherheit Verantwortlichen” und die dafür “notwendigen” Infrastrukturprojekte – finanziert und subventioniert vom Staat – die für den vermeintlichen wirtschaftlichen Fortschritt, und damit gleichzeitig für Vertreibungen, Ermordungen und Menschenrechtsverletzungen stehen.

Dies ist mit ein Grund warum die Landpastoralkommission leider auch heutzutage in keiner Weise an Aktualität und Wichtigkeit verloren hat. Denn so wie damals steht die täglich bedrohte ländliche Bevölkerung auch dieser Tage vielfach ohne Unterstützung allein mit ihrem Schicksal da. So wie all die Jahre hindurch, geht es um Solidarität, geht es um Begleitung, geht es – einfach gesagt – um für die Menschen da zu sein. Dabei gibt es keine fertigen Rezepte, jede Situation hat seine Eigenheiten, aber wenn es uns gelingt, wie Paulo Freire es einmal ausdrückte: “wenn ein Mensch lernt die Realität zu lesen, wird er zum Akteur seiner eigenen Veränderung”, dann sind wir, davon bin ich überzeugt, auf dem richtigen und notwendigen Weg um unsere Welt und die vielfach immer noch vorherrschenden unmenschlichen Situationen zu verändern.

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