Vom Regen in die Traufe!

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Wir befinden uns in den Gerais, auch Cerrado (=die Savannen Zentral-Brasiliens) genannt, an der Grenze zwischen Bahia und Minas Gerais. Diese wunderschöne Region zeichnet sich aus durch seine sehr alten und tiefgründigen Böden und niedrige knorpelige Vegetation. Alle wichtigen Flüsse Brasiliens entspringen in dieser Vegetation, bekannt für die Fähigkeit durch den porösen teils sandigen Boden das Regenwasser wie einen Schwamm aufzusaugen.

Gemeinsam mit meinen CPT-Kolleg_innen (=Landpastoralkommission), João und Santana aus dem regionalen Team, sind wir von den Anrainer_innen der Gemeinde Palmeiras im Bezirk Cordeiros, direkt an der Grenze von Minas Gerais eingeladen. Nach dem wir den steilen, teils schlechten Weg in das Gebiet des Gerais hinauf geschafft haben, geht es anschließend hinunter in ein kleines wunderschönes Tal. Hier leben die traditionell ansässigen Familien wie in einem kleinen Paradies, mit fließendem Wasser direkt von den Quellen, fruchtbaren Böden für den Anbau von Bohnen, Mais, Kürbisse, Kaffee, Obst,… und der Tierzucht. Da ist auch die Tatsache das Regierungsprogramm „a luz para todos“ (=der Strom für Alle) es noch nicht bis in das Tal geschafft hat leicht zu verdauen.

Leider, einmal mehr, trügt diese so scheint es friedliche und sich äusserst angenehm empfindende Ruhe die uns empfängt.

Als wir vor dem Haus von Seu João stehenbleiben, kommt der mittlerweile über 80jährige kleine aber stämmige, von der Sonne gegerbte Mann mit seiner vollen Scheibtruhe gerade von der Feldarbeit zurück. „Damals als ich ein Kind war lebten wir hier wie in einem Paradies. Es gab ausreichend Wasser, wir lebten von unserem Ertrag auf den Feldern und unsere Rinder fanden ausreichend zu fressen. Doch schon in den 70iger Jahren hat sich alles geändert“ erzählte er uns. Auf meine Frage, was den geschehen sei, antwortet er mit den folgenden Worten. „Seit die Firma Floresta Minas vor 40 Jahren einen grossen Teil des Territoriums der Gemeinde gerodet hat, um sie wie damals versprochen produktiv zu machen, versiegten sechs der neun Wasserquellen die das Dorf versorgten.” „Produktiv gemacht“ heißt in diesem Fall: Eucalyptusmonikulturen. Aus ökologischer Sicht sind Monokulturen von Eukalyptusbäumen sehr problematisch. Wo Eukalyptus wächst, haben andere Pflanzen keine Chance. Seine Wurzeln reichen so tief in die Erde, dass sie den Boden auf Jahre hinweg auslaugen. Gleichzeitig sind die Bäume so schnellwüchsig, dass andere heimische Gehölze und Pflanzen sich nicht behaupten können. Nichts war mehr so wie früher.

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Gemeinsam mit Jura, Anfang 50, Pastor der evangelischen Gemeinde im Dorf und ebenfalls hier zur Welt gekommen, wollen wir uns das genauer anschauen. Die Familien haben uns gebeten ihnen zu helfen eine Landkarte ihres Territoriums zu erstellen und ihre aktuelle Situation zu dokumentieren. Es sollen die verwüsteten Gebiete, sowie die Wasserquellen – die sie noch mit Wasser versorgen, aber auch die die bereits versiegt sind – kartiert werden. Sowie andere wichtige Orte, wie zum Beispiel der Friedhof, anhand derer sie nachweisen können wie lange sie bereits hier ansässig sind. Vor allem aber wie sich ihre Situation nach dem die Eucalyptusplantagen sich ihren Weg gebannt haben verschlechtert hat. Mit diesen Aufzeichnungen wollen sie anschließend zu den Regierungsverantwortlichen um sich dort für ihre Rechte einzusetzen.

Dabei sind wir gerne behilflich und es ist nicht das erste Mal, dass wir hier bei den Familien sind. Denn schon seit geraumer Zeit unterstützen wir sie in ihrem Kampf um den Anspruch ihres für sie so lebenswichtigen Territoriums. Denn so wie in den 70iger Jahren der Konzern Floresta Minas sind es heute Grossgrundbesitzer dieser Region die grosse Teile dieses Landes für sich beanspruchen wollen. Trotz sehr deutlicher Zeichen der Verwüstung, möchten sie neuerlich Eucalytusplantagen anlegen und ehemals bestehende neu bepflanzen. Das ganze Gebiet ist von neuen Straßen durchzogen wie ein Fischgrat, den sowie Seu Quinca ebenfalls Anrainer des Dorfes uns gegenüber erwähnt: „die Konzerne und Reichen der Region wollen hier keine Nahrungsmittel anbauen, denen geht es ausschließlich darum viel Geld zu verdienen“. Die Familien sehen sich somit wie in einem schlechten Film der gerade vor seinem Revival steht.

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Ein Kommentar zu “Vom Regen in die Traufe!

  1. Was ich hier lese, ist für mich nicht neu, macht mich trotzdem wütend. Als wir in den 80ger Jahre des letzten Jahrhunderts uns die Machenschaften von Mannesmann genauer anschauten, kamen wir zu den Eukalyptusplantagen und die Köhlereien, die nötig waren, um Holzkohle für die Hochöfen von Mannesmann in Belo Horizonte zu produzieren. Dass der Cerrado weiter zerstört wird und kaum einer redet darüber, ist schlimm und unverzeihbar.

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