Ihren Zorn gegen uns können sie gerne behalten!

Serra do Padeiro

Ein kalter Wind schlägt uns durch das offene Autofenster entgegen als wir ohne Chance versuchen den Schlaglöchern der holprigen Erdstrasse auszuweichen. Es hat in der Nacht geregnet, die Bäume und Straücher eines der letzten Ausläufer des atlantischen Regenwaldes um uns herum, erstrahlen mit den ersten Sonnenstrahlen in ihrer ganzen Farbenpracht. Ich bin mit meinen Kollegen der CPT bergaufwärts unterwegs in Richtung “Serra do Padeiro”. Am Fuss dieses Berges, liegt das indigene Dorf, der von den Fazendeiros so gehassten Tupinambás im Bezirk Buerarema, im Süden Bahias.

Aus Vorsicht haben wir die schlechtere Strasse durch die Wälder gewählt. Während der letzten Monate und Wochen laufen hier in dieser Region furchtbare Hetzkampagnen gegen die indigene Bevölkerung und alle die sich mit dem Volk der Tupinambás solidarisieren. Seit sie vor gut 10 Jahren begonnen haben ihre Rechte einzufordern und Anspruch auf ihr Territorium zu stellen werden sie gezielt verfolgt. So zum Beispiel haben die politisch Verantwortlichen der Region und Fazendeiros dieses Jahr eine der wichtigsten Bundesstraßen, aus Angst vor den “falschen Indianern”, wie sie sie bezeichnen, über mehrere Stunden blockiert. Gemeinsam forderten sie vom Gouverneur, dass er ihnen keinesfalls ihre Rechte zusprechen dürfe.

Als wir im Dorf, am Fuss ihres Symbols “Serra do Padeiro” ankommen, werden wir von Dona Maria mit einem breiten Lachen herzlichst empfangen. Es ist nichts von Anspannung, Zorn oder bösen Worten zu vernehmen. Der Hass kommt aus der Stadt, wir sind aus den Wäldern, er ist gegen uns gerichtet weil wir hier unabhängig von ihnen sind”, erklärt uns Dona Maria. Auf ihrem offenen Feuer kocht sie gerade eine Ente, Hühner und grillt frisches Fleisch für das Mittagessen als sie uns gegenüber weiter erwähnt: “die Leute aus Buerarema haben uns gesagt das wir nicht in die Stadt hinunter dürfen bis sie das Problem hier gelöst haben. Das stört uns nicht, den es gibt genügend andere Orte wo wir uns das notwendigste für unser überleben besorgen können”. 

Während wir gemeinsam in der Küche stehen ruft uns Seu Liro zu ihm. Er bringt uns in das Kulturzentrum wo sich schon mehrere Dorfbewohner versammelt haben. Wir kommen schnell in ein angeregtes Gespräch und sie erzählen uns von ihrer Geschichte und dem Anspruch auf ihr Territorium. In den letzten 10 Jahren haben sie bereits über 20 Retomadas (=Wiederbesiedlung von Teilen ihres ursprünglichen Territoriums) durchgeführt. Auf die Frage von wo sie ihre Kraft nehmen antworten sie uns mit den einfachen Worten: “Unser Glaube gibt uns Kraft zum Leben, der Glaube ist alles, aus dem Glauben entspringt die Liebe, wer nicht glaubt, kann nicht lieben, der verliert sich in dieser korrupten und gewaltätigen Welt.” Wie sie selbst betonen, möchten sie hier nur respektiert werden, so wie sie selbst die Kultur der Anderen lernen mussten – aus der Geschichte wissen wir was das für sie bedeutet – sollen auch die Anderen von ihrer Kultur lernen. Aus diesem Grund haben sie in ihrer Schule im Dorf auch alle Kinder aus dem Umkreis, egal ihrer Herkunft und Hautfarbe, aufgenommen.

crianças Serra do Padeiro

Wir dürfen hier an diesem besonderen Tag erleben – ganz zugegen verschiedenster Zeitungsberichte und Kommentare – wie die indigene Bevölkerung, gemeinsam mit einer Grosszahl der in der Umgebung lebenden Kleinbauern sehr gut gelernt hat, gemeinsam mit dieser Situation ausgezeichnet umzugehen. Dies obwohl es hier immer wieder zu fast kriegerischen Zuständen kam. So zum Beispiel im Jahr 2008 als ihr Dorf vom Militär und der Bundespolizei, sehr zur Freude der dominierenden Elite und Fazendeiros, unter Beschuss genommen wurde. Die unzähligen Gewaltakte und Verfolgungen betont ihr Häuptling Cacique Babau abschliessend, haben sie nur gestärkt und er schliesst mit den Worten: zuerst versuchen sie Dich zu kaufen, dann versuchen sie Dich einzuschüchtern, anschliessend Dich zu verurteilen und einzusperren. Wenn sie dann nicht erreicht haben was sie wollen, dann verzweifeln sie. Darum dürfen wir uns nicht täuschen lassen um nicht vorher umzufallen”.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s