Blutige Tage auf den Feldern Brasiliens!

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Josias Paulino de Castro (54), seine Ehefrau Ireni da Silva Castro (35), Maria Lúcia de Nascimento (48) und Maria Paciência dos Santos (59) haben eines gemeinsam. Alle vier wurden während der letzten Woche Opfer der keineswegs abnehmenden gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fazendeiros – oder wie sie heute gern genannt werden, der modernen Agrarindustrie – und Kleinbauern_innen.

Beim Mord von Josias und Ireni handelt es sich dabei leider einmal mehr, um einen bereits seit längerer Zeit angekündigten. “Muss ich zuerst erschossen werden damit ihr mir glaubt und etwas unternehmt” erwähnte Josias während seinem letzten Besuch vor wenigen Tagen gemeinsam mit seiner Ehefrau vor den Regierungsverantwortlichen in Cuiabá, im Bundesstaat Mato Grosso. Seit längerer Zeit klagten die beiden über den illegalen Holzhandel, organisiert von lokalen Politikern unter Mithilfe korrupter Staatsangestellte, sowie einer unbekannten Anzahl von Polizeibeamten aus dem Bezirk Colniza, im Bundestaat Mato Grosso.

Es sollte ihr letzter Versuch sein, gegen dieses vor Verbrechen nicht zurück schreckenden Kartell, anzukämpfen. Den am 16. August, wurden beide leblos mit unzähligen Einschüssen mitten auf der Strasse aufgefunden. Aus dem Obduktionsbericht geht hervor, das Josias sowie Ireni durch Schüsse aus einer 9mm Pistole tödlich verletzt wurden. Dies verleiht der Situation noch mehr Brisanz, den diese Art von Waffe darf bis zum heutigen Datum ausschliesslich vom brasilianischen Militär oder der Polizei verwendet werden.

Schon Maria Lúcia do Nascimento – ehemalige Gewerkschaftspräsidentin der Kleinbauer_innen des Bezirks União do Sul – wurde am 13. August, nur 20 Meter neben ihrem zukünftigen Grund und Boden erschossen. Maria Lúcia galt als federführende im Landkonflikt und verantwortlich für die Organisation der 25 Familien der besetzten Fazenda, am Strassenrand der Bundesstrasse 423, 12 km vom Bezirk União do Sul, im Bundesstaat Mato Grosso, entfernt. Aus diesem Grund musste sie wenige Tage nach dem positiven Gerichtsbeschlusses, der den Familien das Recht zusprach um auf der Fazenda zu verbleiben, diesen vielfach fast aussichtslos erscheinenden Kampf mit ihrem Leben bezahlen.

Auch in diesem Fall war es nicht das erste mal das Maria Lúcia sowie die anwesenden Familien vom Besitzer der Fazenda Gilberto Miranda gewaltsam bedroht wurden. Trotz ausreichender Beweise und Anzeigen von Seiten der Familien auf der lokalen Polizeistation konnten die selben aber nicht mit der notwendigen Unterstützung von Seiten der Regierung rechnen.

Was Maria Paciência dos Santos betrifft, wurde sie während einer Strassenblokade am 12. August, zwischen Marabá und Eldorado dos Carajás, im Bundesstaat Pará, von einem wegen der Verzögerungen verärgerten LKW-Fahrer brutal überrollt und dabei getötet. Maria Paciência war eine der 1.500 zählenden Demonstranten des Movimento Sem Terra (=brasilianische Landlosenbewegung) die sich zugunsten besserer Bedingungen hinsichtlich der notwendigen Agrarreform einsetzten.

Was haben die vier Opfer gemeinsam? Sie alle gehören zu denen die öffentlich ihren Unmut ausgesprochen haben und sich für ihre Rechte auf dem Land einsetzten. Den wer hier in Brasilien die Zivilcourage besitzt um die Konflikte und täglichen Verbrechen anzuzeigen läuft leider weiterhin Gefahr “einfach aus dem Weg geräumt zu werden”. An dieser unhaltbaren Situation wird sich auch anhand der anstehenden Präsidentschaftswahlen kaum etwas ändern. Dies vor allem aus dem Grund, da die Verantwortlichen der “modernen Agrarindustrie” bereit sind hohe Summen für den Wahlkampf der drei aussichtsreichsten Kandidaten locker zu machen. Somit wäscht eine Hand die Andere, oder mit anderen Worten, wer investiert möchte auch seine Renditen!

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