Für Brasilien hat die zweite Halbzeit bereits begonnen!

DIlma Marina! Aecio

Was? Wie? Hab ich die Erste verpasst? – werdet ihr Euch vielleicht jetzt fragen. Nur keine Panik, ich kann Euch beruhigen: die WM ist Geschichte. Es handelt sich auch ausnahmsweise nicht um ein alles spielentscheidendes Fussballmatch – das ist auch gut so, den die letzte Niederlage sitzt noch tief – nein ganz und gar nicht, zur Abwechslung ist es wieder einmal Zeit für Politik: Wahlen stehen ins Haus….und der Wahlkampf geht in die zweite entscheidende Halbzeit.

Ja, genau die Zeit in der es uns erlaubt ist, in der wir sogar ermutigt werden um uns an der Diskussion über die Zukunft der Nation zu beteiligen. Schliesslich ist das Wahlrecht eines der wichtigsten Pfeiler einer Demokratie. Wählen zu gehen sollte somit keine lästige Pflicht sein, sondern bedeutet Gebrauch zu machen von einem lang erkämpften Recht.

Von allen Seiten, Straßenecken und sogar aus dem Fernseher strahlen uns zu diesen Zeiten permanent fröhlich lächelende liebe und natürlich engagierte Menschen entgegen. Ihre Blicke treffen uns direkt im hintersten Augenwinkel und sie sprechen uns förmlich in unser Gewissen: “Liebe Brasilianer, liebe Brasilianerinnen, ihr kennt mich doch. Ich der/die ich immer auf der Eurer Seite gestanden bin. Viel haben wir in den letzten Jahren gemeinsam erreicht, auch wenn die Opposition dies uns nicht zugestehen möchte. Bla, Bla, Bla….”

In diesem Zusammenhang fallen mir die alten Griechen ein. Klar war auch dort vieles nicht so wie wir uns das wünschen würden. Aber zumindest wurden die Politiker_innen die mehr für sich selber scheffelten, und ihre Wahlversprechen schlichtweg vergaßen für immer geächtet.

In 4000 Jahren “Zivilsation” hat sich viel verändert. Daran zu denken, Wahlversprechen einzufordern, denkt hier und heute schon lang niemand mehr. In Brasilien stehen wir im Herbst vor einer anderen – in mancher Hinsicht – kniffligeren Fragen: Welche Veränderungen soll man sich von den drei aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten erwarten, wenn ihre Wahlkampagnen von den selben Konzernen finanziert werden. Laut der einflussreichen konservativen Tageszeitung Folha de São Paulo kommen nämlich rund 65% der gesamten finanziellen Unterstützung für die drei Kandidaten_innen von ein und den selben drei grossen Konzernen. Ja ihr habt richtig gelesen, die drei Konzerne (JBS – Lebensmittelindustrie, AMBEV – Getränkehersteller und OAS – Baufirma) finanzieren drei Kandidaten aus verschiedenen Parteien. Klar ist diese Finanzierung nicht umsonst!

Somit stellt sich die nächste Frage: Was können wir mit unserer Stimme wirklich ausrichten wenn uns nur die Möglichkeit geboten wird das geringere Übel zu wählen. Denn unter Demokratie verstehe ich, die Möglichkeit zu haben mich aktiv an neuen Wegen und Lösungen zu beteiligen. Die Bedingungen dafür scheinen mir allerdings über die Parteipolitik kaum mehr gegeben zu sein. Vielmehr braucht es, um wirkliche Veränderungen zu erreichen, eine ordentliche Portion Zivilcourage.

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