Konzerne produzieren vor allem eines: Heißen Wind!

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Es ist wirklich zum ärgern wie respektlos – um nicht zu sagen, uns für blöd verkaufend – sich ein transnationaler Konzern gegenüber der lokalen Bevölkerung verhalten kann. So auch vor wenigen Tagen, als nach mehreren Anfragen von Seiten des Umweltausschusses der Stadt Jacobina, es zum ersten Treffen zwischen den Konzernen Casa dos Ventos und Andrade Gutierrez sowie besorgten Aussschusmitgliedern kam.

Die beiden Firmen sind hauptverantwortlich für das Projekt Ventos de Jacobina. Genauer gesagt wollen sie hier in der Region einen Windpark mit 1.200 modernen Windrädern, Hochspannungsleitungen und Schaltzentralen errichten. Das sind in etwa dreimal soviel wie im derzeit größten existierenden Windpark in Horse Hollow in Texas – USA.

Es ist halb-acht abends und wir – die Umweltaussschusmitglieder und geladenen Gäste, darunter auch ich – sitzen im Kulturzentrum der Stadt Jacobina und warten gespannt auf die Erklärungen der Konzern-Verantwortlichen. Detail am Rande, für dieses Treffen hat es sage und schreiben gute zwei Jahre gebraucht, davor hatten die Projektverantwortlichen nämlich schlichtweg keine Zeit für uns!

Dann endlich, das Treffen beginnt mit einem acht-minütigen Animationsfilm präsentiert von einem der verantwortlichen Direktoren. In diesem Film konnten wir viel erfahren über die notwendigen Mengen von Beton, den neuen notwendigen Zufahrtsstrassen sowie dem Aufbau einer eigenen Fabrik wo die Türme erzeugt werden sollen. Für die zukünftigen Investoren und Aktionäre eine wahre Freude!? aber bei mir kommt die Frage auf, ob ich auf der richtigen Veranstaltung gelandet bin.

In keinem einzigen Moment – und das war der Sinn der Anfrage und Einladung – wurde von Seiten der Projektverantwortlichen über die damit verbundenen Sozialen- und Umweltprobleme berichtet. Schlimmer noch, all die anschließenden Fragen und Anregungen wurden schlicht und ergreifend übergangen.

So zum Beispiel antwortete die Umweltbeauftragte des Konzerns Casa dos Ventos auf die Frage, wie sie die riesigen Mengen an Wasser während des Aufbaus garantieren wollen, mit den einfachen kurzen Worten: “wir haben die notwendigen Studien bereits in Auftrag gegeben”. Auch dem anwesenden verantwortlichen Staatsanwalt für Umweltfragen aus der Region ging es nicht viel besser. Denn auf seine Frage über die Auswirkungen der notwendigen Zerstörung von 50km2 Vegetation, in einem äusserst fragilien Ecossystem sowie die Verwicklung des Konzerns in einen Strafprozess wegen Landraub bekam er keine befriedigende Antwort. Ihr könnt mir glauben, die Liste der nicht beantworteten Fragen – über Infraschall, Mindestabstand zu Wohngebieten, Arbeitsplätze,… – würde hier den Rahmen sprengen!

Der Umgang, oder besser die bewusste Verweigerung von Antworten auf konkrete Fragen, lösten Entrüstung im Saal aus. Vor allem dass wir, die wir in den letzten drei Jahren von der schlimmsten Trockenperiode der letzten fünfzig Jahre betroffen waren, gerade in allen Fragen in Zusammenhang mit unserem kostbarsten Gut: Wasser, derart abgespeist wurden.

Heißen Wind haben wir hier im Sertão genug, dazu braucht es nicht auch noch, dass uns Konzerne mit heißer Luft volllabbern.

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