Kein Platz am Platz für Rassismus

contra racismo

Wenn Täter auf frischer Tat ertappt werden, beteuern sie nur allzu oft im selben Atemzug, vielfach unter Tränen wie leid es ihnen tut, dass es gar nicht so gemeint war oder dass es sich schlichtweg um ein Missverständnis handelt. Beliebt ist auch, sich selbst als Opfer darzustellen.

In der Schlussphase des Pokalspiels gegen Gremio Porto Alegre, beschwerte sich der Tormann des FC Santos beim Schiedsrichter, dass er von den Rängen rassistisch beschimpft würde. Der Unparteiische unterbrach kurz das Spiel – und notierte anschließend im Spielbericht, dass Santos das Match verzögerte und der Torwart des Teams, Mario Duarte, genannt Aranha, die Fans mit „obszönen Gesten“ beleidigt habe. Schlecht für den Schiedsrichter, dass Kameras eine junge Anhängerin von Gremio filmten, die hasserfüllt „macaco“ in Aranhas Richtung brüllte. Macaco heißt Affe und ist in Brasilien eine strafbare rassistische Beleidigung.

Andere Gremio-Fans machten Affenlaute, riefen „stinkender Schwarzer“ und griffen sich unter die Arme. Die Bilder liefen in Endlosschleife im Fernsehen und im Internet, Brasilien ist schockiert. Der brasilianische Fußballverband CBF hat auf den jüngsten Vorfall scharf reagiert. Der Fußballklub Gremio, seit kurzem von Ex-Nationalcoach Felipe Scolari betreut – wurde vom obersten Sportgericht Brasiliens – vom Pokalwettbewerb ausgeschlossen. Das Schiedsrichtergespann wurde suspendiert.

Ohne Frage, diese Strafe hat die Verantwortlichen und die Gremio-Manschaft hart getroffen, gelernt haben sie aber – wie es scheint – nicht viel daraus. Denn als der Tormann Aranha dieser Tage neuerlich den Rasen des Gremio-Stadions betrat wurde er über 90 Minuten ausgepfiffen und verhöhnt. Dieses Mal waren die Fans allerdings vorsichtiger und verzichteten auf rassistische Parolen. Ganz nach dem Motto: ihr könnt uns keinen Rassismus in die Schuhe schieben!

Die Vorwürfe gegen ihn von Seiten der Fans haften schwer. Immer wieder kam es in den letzten Tagen zu Wortmeldungen wie: „der übertreibt aber wirklich, oder im Stadion muss so etwas wohl erlaubt sein!“ Sie akzeptieren es in keiner Weise, dass er seine Anzeige gegen die gefilmte Gremio-Anhängerin nicht zurückgezogen hat. Dies obwohl sie sich ja „öffentlich entschuldigt hat“ und ein Treffen mit Aranha vorgeschlagen hatte.

Aranha ist – und das wird ihm jetzt vorgeworfen – nicht an einem solchen Treffen interessiert. Er sei „unversöhnlich und nachtragend“. Interessante Perspektive, oder? Ist es ihm zu verdenken dass er keinen medialen Rummel oder rührende Live-Szene mit Umarmung und Tränen wollte. Mario Duarte betont, dass er der jungen Anhängerin vergeben hat, aber für ihr Verbrechen soll sie zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden. Denn: Rassismus darf keinen Platz am Platz haben.

Mit seiner klaren Haltung gegen die Straflosigkeit, des vom Rassismus überschütteten brasilianischen Alltags hat er somit den Hass vieler auf sich gezogen. Schlimmer noch, denn er lässt sich nicht von der dominierenden weissen Elite – genau die, die jeden Tag den Rassismus schüren – sagen wie er sich in diesem Fall zu verhalten hat.

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