Wusstet ihr das wir die Entdeckung des Grillens einem Tolpatsch zu verdanken haben?

P1040017

Wer schon einmal in Brasilien zu Besuch war, weiss wie beliebt es ist am Sonntag den Grill anzuwerfen. Von überall sieht man dann den himmlischen Rauch der glimmenden Holzkohlen aufsteigen und das Aroma von brutzelnden saftigen Rindfleischstücken liegen in der Luft. Vor allem die Männer – ich denke, meist zur grossen Freude der Frauen, die ja unter der Woche mehrmals täglich vor dem Herd stehen – versuchen sich dann in ihrer Grill-Kreativität zu übertreffen. Den Grillen ist natürlich Männersache, und natürlich auch immer wieder ein toller Anlass sich gemeinsam zusammen zu sitzen!

Im Gegensatz zum modernen Gasgrill, der in der heutigen Zeit von vielen bevorzugt wird, wird hier noch – wie viele behaupten – mit einem richtigen Grill und vernünftiger Holzkohle gearbeitet. Somit dauert der ganze Prozess natürlich um einiges länger, und das hat nicht nur geschmackliche Vorteile. Den es ist unumstritten das ein gut gegrilltes Stück Fleisch (oder auch Gemüse) über der Holzkohlenglut geschmacklich um einiges besser ist! Was aber noch dazu kommt, und für viele vielleicht fast wichtiger ist, man kann während der Vorbereitungszeit – beim säubern des Grills vom letzten Festakt, einlegen der Holzkohlen bis hin zur perfekten Glut – endlich wieder einmal ordentlich Bier trinken. Klar, eiskaltes Bier, das versteht sich von selbst!

Das Grillen Männersache ist, und das dies so gekommen ist, haben wir übrigens laut dem englischen Schriftsteller Charles Lamb (1775-1834) einem tragischen, aber für uns sehr glücklichen Zufall zu verdanken. Den laut seiner Schrift “Eine Abhandlung über Schweinebraten” haben wir es einem “chineschischen jungen Tolpatsch der gern fakelte” zu verdanken, dass wir heute diese wunderbaren wohlriechenden gegrillten saftigen Fleischstücke geniessen dürfen.

Den als in China – während einer Zeit in der Fleisch nur roh verzehrt wurde – ein junger Mann namens Bo-bo, Sohn des Schweinehirten Ho-ti, durch Zufall die Grillkunst entdeckte, änderte sich dies schlagartig. Eines Tages, als Ho-ti im Wald gerade Eichelmast für seine Schweine sammelte, spielte sein Sohn “ein ziemlicher Tolpatsch” mit dem Feuer und verbrannte dabei die Hütte und angrenzende Schweinemast. Während er sich verzweifelt in den rauchenden Trümmern um Rat besann “umhüllte in ein Aroma, das mit nichts zu vergleichen war, was er je zuvor gerochen hatte”. Das wohltuende Aroma kam ohne Zweifel von dem Ort wo früher der Schweinstall stand, und neugierig wie er war verbrannte er sich beim abtasten der verkohlten Ferkel seine Finger die er sogleich zur Schmerzstillung in seinen Mund schob.

In diesem Moment geschah das vermeintliche Wunder, den “an seinen Fingern waren ein paar Bröckchen der versengten Schweinehaut kleben geblieben, und zum ersten Mal in seinem Leben (ja, sogar im Leben der gesamten Menschheit, da kein Mensch vor ihm dies erfahren hatte) kostete er – eine Bratenkruste!”

Bo-bo vergass darauf die Tragödie und schlug sich den Bauch voll mit dem Fleisch der verbrannten Ferkel. Als sein Vater bei seiner Rückkehr die Trümmer seiner Hütte mit seinem fleischessenden Sohn und die verbrannten Schweine erblickte wurde ihm zuerst einmal schlecht. Doch in weiterer Folge, angetan vom guten Geschmack der in der Luft lag und auf anraten seines Sohnes probierte auch er die Kruste und fand sie sagenhaft köstlich.

Beide beschlossen darauf hin – da sie die Missbilligung der Nachbarn fürchteten – die Geschichte für sich zu behalten, den eine Kreatur Gottes zu verbrennen hieß am Ende doch auch zu behaupten, sie sei in rohem Zustand nicht perfekt. Doch mit der Zeit “machten seltsame Geschichten die Runde. Man beobachtete, dass Ho-tis Hütte noch häufiger als sonst niederbrannte. Von nun an brannte es unaufhörlich… Sobald das Mutterschwein Ferkel warf, stand kurz darauf das Haus Ho-tis in Flammen.”

Klar, am Ende kam ihr Geheimnis dann doch heraus und die Nachbarn versuchten sich an der Methode. Auch sie waren begeistert vom Resultat und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Der Brauch, die Hütten niederzubrennen, um den Geschmack von Ferkeln zu verbessern, griff sogar so stark um sich, dass die Leute sich bald sorgten, der Welt könnten Baukunst und Architektur abhandenkommen. “Von Tag zu Tag bauten die Leute ihre Häuser immer sparsamer” berichtet uns Lamb, und “nun sah man in jeder Himmelsrichtung nur noch Flammen lodern”. Zum Glück fand ein klügerer Mensch irgendwann heraus, dass man Schweinefleisch auch braten könnte, “ohne notwendigerweise ein ganzes Haus für die Zubereitung zu opfern”. Bald darauf erfand man den Bratrost und im Anschluss daran den Bratspieß. Und so eignete sich die Menschheit buchstäblich aus Versehen die Fertigkeit an, Fleisch über offenem Feuer zuzubereiten. Präziser ausgedrückt: über offenem Feuer, in einem feuerfesten Grill!

Wer mehr über den Ursprung des Feuers und natürlich des Grillens erfahren möchte den lade ich recht herzlich ein das Buch Kochen: eine Naturgeschichte der Transformation von Michael Pollan zu lesen. Dort findet ihr nämlich nicht nur diese, sondern noch viele andere Geschichten über den Ursprung des Grillens.

Lasst es Euch schmecken und vergesst nicht auf das Bier!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s