Kann man eine 11 Millionen Metropole eigentlich evakuieren?

Alckmin

Es ist heiß, verdammt heiß sogar – 38° im Schatten – so heiß das es kaum mehr erträglich ist. Die Luft ist trocken, kaum ein Windhauch dringt durch das Fenster in die Wohnung, und die Situation ist kaum auszuhalten. Der Hals schmerzt, die heiße, trockene Luft brennt in den ausgetrockneten Nasenflügel. Seit zwei Tagen fließt kein Tropfen Wasser aus der öffentlichen Wasserleitung um die Wassertanks zu fühlen. Die Situation ist absolut kritisch!

Wahrscheinlich sind vielen von Euch gleich die Bilder der ausgetrockneten, aufgerissenen roten Erde, der Frauen die über weite Strecken her mit einfachen Plastikkübeln auf dem Kopf das notwendige Wasser aus irgendwelchen Tümpeln zu ihren Familien bringen,… die wir aus dem halbtrockenen “Sertão” im Nordosten Brasiliens kennen, vor Augen gekommen.

Doch die Situation die ich in den ersten Zeilen beschrieben habe, hat nichts mit dem Nordosten Brasiliens zu tun. Nein, wir befinden uns in São Paulo. Der größten Stadt Brasiliens, im Süden des Landes. Laut der Ausgabe (15.10) der Tageszeitung Folha de São Paulo: “in den letzten 24 Stunden, kam es an 30 Orten, in 24 Bezirken zu Wassermangel.” Die Wasserknappheit betrifft mittlerweile fast die ganze Metropole, sowie viele Städte im Bundesland. So zum Beispiel in Campinas, wo verschiedene Stadtteile seit fünf Tagen ohne einen Tropfen Wasser aus der öffentlichen Wasserleitung auskommen müssen.

Diese fast unvorstellbare Krisensituation und das damit verbundene Chaos sind allerdings nicht ausschließlich dem seit Monaten fehlenden Regen zu verdanken. Denn die Situation rund um die Wasserversorgung São Paulos steht schon seit Jahren auf Messers Schneide. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich Bevölkerungsanzahl seit 1950 explosionsartig vergrößert hat. Große Grünflächen und bewaldete Flussufer mussten der steigenden Nachfrage nach Grundstücken und dem urbanen Wachstum weichen. Dieser Prozess führte zu einer Versiegelung des Bodens. Das Regenwasser versickert nicht mehr in der Erde und der Grundwasserpegel reduziert sich immer mehr. Die Konsequenzen dieses Prozesses sind verheerend, denn während der starken Regengüsse kommt es dadurch zusätzlich immer wieder zu riesigen Überflutungen von Stadteilen von denen unzählige Familien betroffen sind.

Somit ist die heutige Wasserknappheit kein momentanes Phänomen, sondern die “Rache der Natur” gegenüber einer ausbeuterischen Gesellschaft die sich der verheerenden Konsequenzen kaum bewusst ist. Für die lokale Bevölkerung – die mehrfachen Hinweisen von verschiedensten Seiten auf die vorgesehene Katastrophe kein Ohr schenkten – muss dieser Moment ein Horror sein. Noch dazu, da sie scheints den Worten ihres Governeurs Geraldo Alckmin (PSDB), der während seiner Wahlkampagne immer wieder erwähnte, das es keinesfalls zu einer Krise in der landesweiten Wasserversorgung kommen wird, mehr vertrauten, als allen andern veröffentlichten Studien und Berichten die auf das Gegenteil hingewiesen haben.

Doch nach dem falsche Aussagen bekanntlich kurze Beine haben, hat die Realität die Bevölkerung – die Geraldo Alckmin mit 57% im ersten Wahlgang wiedergewählt hat – sehr schnell eingeholt. Zeitungsberichten nach zu glauben, soll sich die Situation in den nächsten Tagen noch zusehends verschärfen. Wenn dem so ist, dann ist kaum vorauszusehen, was dies für Auswirkungen auf den Präsidentschaftskandidaten und Parteifreund Aécio Neves (PSDB) und auf den Wahlausgang der Stichwahl mit der jetzigen Präsidentin Dilma (PT) haben wird.

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