Schlimmer als das 1:7!

case-fifa

Um ein Trauma zu verarbeiten hilft es ja bekanntlich darüber zu sprechen, oder in diesem Fall schreiben. Dafür braucht man den notwendigen Abstand – “die Zeit soll ja Wunden heilen”- und dies war nach der eklatanten Niederlage der brasilianischen Seleção auch unbedingt notwendig. Allerdings, nach einer kurz andauernden Staatstrauer, scheint das Thema Fussball-WM seit Monaten wie vom Tisch verbannt zu sein.

Die vor kurzem von Solidar Suisse veröffentlichte Studie zeigt allerdings auf, dass der Preis den die brasilianischen Bevölkerung für die Austragung der Fussball-WM bezahlte bei weitem höher ist, als das an eine Katastrophe grenzende Ergebnis gegen die Deutschen.

Marilene de Paula, vom Heinrich Böll-Institut Brasilien und verantwortlich für die Studie, zeigt auf, dass die großen Hoffnungen, von neuen Arbeitsplätzen, hohen Investitionen und eine verbesserte Infrastruktur regelrecht wie Seifenblasen zerplatzten. Konnten einige wenige noch anhand der kurzfristig temporären Jobs – hauptsächlich in der Baubranche und dem Tourismus – ihr Haushaltsbudget aufbessern, heißt es für den Großteil der Bevölkerung jetzt die übrig gebliebenen Schulden zu begleichen.

Allein die Schulden der Stadtverwaltung an den zwölf Austragungsorten stiegen um 51%. Aber auch die Nicht-WM-Städte sind mit einer Verschuldung von durchschnittlich 20% betroffen. Dem gegenüber steht ein wirtschaftlicher Impuls durch die Fußball-WM von nur 0,7% des Bruttoinlandproduktes. Somit kann man das ganze getrost als ein volkswirtschaftliches Eigentor abstempeln.

Von diesem fatalen Eigentor wissen auch die knapp 350.000 Strassenhändler_innen zu berichten. Viele haben durch die FIFA Sperrzonen ihre Verkaufsplätze verloren und ein schwer kalkulierbares Minus eingefahren. Aus der Studie geht hervor das nur 4.000 davon, anhand der Proteste, während der Spiele doch noch Platz in der Sperrzone fanden. Der Großteil allerdings – viele aus den ärmsten Gesellschaftsschichten – verloren somit während der Spieltage ihre einzige Einnahmequelle.

Dazu stoßen noch die gut 250.000 Menschen die wegen der “notwendigen” Infrastruktur- und Stadionbauten zwangsumgesiedelt, oder regelrecht vertrieben wurden. In vielen Fällen haben sie bis heute noch keinen Schadenersatz für ihr Hab und Gut erhalten.

Speziell was die Stadien betrifft – übrigens die teuersten in der WM-Geschichte – sieht es auch nicht wirklich besser aus. Unter den 12 neu errichteten Stadien finden sich vier “weiße Elefanten” die nach der WM kaum, oder gar nicht gebraucht werden. In diesem Zusammenhang gab es übrigens schon haarsträubende Ideen. In Manaus zum Beispiel, hat die Stadtverwaltung vorgeschlagen, das man doch das Stadion in ein Gefängnis für Untersuchungshäftlinge umwidmen könnte.

Nun könnten wir uns fragen, gab es den überhaupt keine Gewinner bei dem Spiel? Klar, die gab es, und es waren sicher nicht nur die Deutschen. Der Jackpot ging nämlich mit einem Rekordgewinn von bis zu 5 Milliarden Dollar einzig und allein an die FIFA!

Dies ist allerdings nur ein Teil des desaströsen Bilanz für die brasilianische Bevölkerung. Die Verarbeitung des Traums nach diesem trostlosen und viel Frust verbreiteten Eigentor im „Land des Fussballs“ scheint schwierig und sehr mühsam. Noch dazu, da die Skandale und Negativ-Schlagzeilen um den wirklichen Gewinner – die FIFA – nicht zur Ruhe kommen.

Den gesamten Bericht findet ihr im unten angeführten link:

http://www.solidar.ch/data/seiten/88A238F7/Study_World_Cup_Brazil.pdf

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