Brasilien: zumindest dreigeteilt!

COLETIVA2

Foto: Ricardo Stuckert/ Instituto Lula

Wenige Momente nach Ausgang der Stichwahl, kommentierte der geschlagene Rechtskandidat Aécio Neves seine knappe Wahlniederlage in seinem ersten Interview mit den folgenden Worten: “Ich habe der Präsidentin bereits zu ihrer Wiederwahl gratuliert und wünsche ihr viel Erfolg. Dabei habe ich betont, dass es zu ihrer Hauptaufgabe zählt, dieses Land wieder zusammenzuführen.”

Habe ich da vielleicht etwas falsch verstanden? Wie geht diese versöhnliche Rede und scheinbare Wunsch der Zusammenführung des gespaltenen brasilianischen Volkes überein, mit der von Hass geschürten Kampagne seiner Partei?

Wäre es nicht ehrlicher – wie der bekannte Journalist der grössten brasilianischen Mediengruppe Organizações Globo, Alexandre Garcia – sich auf frühere Zeiten zu berufen. Den damals, als das Land noch nicht gespalten war, betonte Alexandre Garcia in seinem ersten Kommentar nach dem Wahlausgang, waren ja noch alle richtige Brasilianer. Klar, damit kann er nur die grauen Tage der von Gewalt geprägten Militärdiktatur – unter dem Motto “Brasilien, liebe es oder verlasse es” – sprechen.

An Einladungen fehlt es ihm und seinen Freunden übrigens nicht. Den gleich nach der Wahl twitterte die in Miami (USA) lebende bekannte Schauspielerin Fernanda Pontes: Freunde, ich erwarte Euch alle hier! Seit herzlich willkommen! Meine Freunde, welche Scham!” Miami war übrigens der Ort, an dem Aécio Neves mit 91,79% der Stimmen, sein bestes Wahlergebnis, gegenüber 8,21% der Wählerstimmen die Dilma bevorzugten, erzielte.

Die alte und wiedergewählte Präsidentin Dilma Rousseff betonte ihrerseits in der ersten Ansprache nach dem Wahlausgang ihre Bereitschaft zum Dialog. Weiters sprach sie, trotz der offensichtlich klar geteilten Wählerstimmen – Dilma wurde im armen Norden und Nordosten, Aécio im reichen Süden bevorzugt – von keiner in zwei Hälften gespaltenen Bevölkerung.

Mapa da eleição

Das allgemeine Wahlergebnis gibt ihr hier recht, den Brasilien scheint nicht nur in zwei Hälften gespalten zu sein. Zumindest aber dreigeteilt! Den haben sich 38% für Dilma, sowie 35% für Aécio entschieden, bevorzugten 27% keine der beiden Alternativen.

Bleibt zu hoffen, dass sich die wiedergewählte Präsidentin Dilma nach diesem knappen Wahlerfolg, sich an ihre eigenen Worte im Juni 2013 erinnert. Den als vor gut einem Jahr das brasilianische Volk durch massive Proteste (mit den unterschiedlichsten Forderungen) das Land erschütterte, betonte sie in einer Fernsehansprache: “an erster Stelle gilt es der Stimme des Volkes, und nicht den Mächtigen der Wirtschaft, Gehör zu schenken.”

Was für uns bleibt – und da ändert auch die Wiederwahl der Präsidentin Dilma nichts – ist uns weiterhin einzusetzen, gegen die brutal um sich lechzende Wachstumswalze, die Mensch und Natur ohne Rücksicht auf Verluste sprichwörtlich überrollt. Oder wie Bertold Brecht es einmal formuliert hat: “Unsere Gegner sagen: der Kampf ist vorbei. Wir aber sagen: er hat soeben erst begonnen!”

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