Wenn ihnen heute etwas geschieht, weiss es morgen die ganze Welt! (1. Teil)

P1020292 P1020296

Die Realität schaut immer anders aus, als die Mythen die damit in Verbindung gebracht werden.” Diese Worte, ausgesprochen von der slowenischen Botschafterin Milena Šmit in Brasilien und Teil der Delegation der Europäischen Union in Brasilien – während der gestrigen öffentlichen Anhörung “Zehn Gesichter des Kampfes für die Menschenrechte in Brasilien” der Indigenen Völker und der traditionellen ländlichen Bevölkerung (Quilombolas, Fundo e Fecho de Pasto, Pescadores,..) – hätten wohl nicht passender sein können.

Für die Indigenen und die traditionellen Völker aus dem Bundesland Bahia – die sehr zahlreich der Einladung der Delegation der Europäischen Union in Brasilien (darunter 8 Botschafter aus Belgien, Slowenien, England, Irland, Schweden, Holland, Finnland und Portugal und 2 Konsul aus Frankreich und Spanien), sowie den Regierungsverantwortlichen der Sekretariate für Menschenrechte aus Bahia und Brasília folgten – war es ein leichtes, anhand ihrer konkreten Lebenssituation und Bedrohungen die dramatischen Konsequenzen der exportorientierten Wachstumspolitik, sowie der Projekte des brasilianischen Programms zur  Beschleunigung des Wachstums (=PAC), aufzuzeigen.

Für viele der direkt betroffenen Anwesenden war es ein einzigartiger Moment. Zum ersten Mal konnten sie sich direkt gegenüber europäischen Vertretern_innen aus verschiedener Länder über ihre Konflikte und den Kampf um die Einhaltung der Menschenrechte äussern. Viele dieser Konflikte stehen in direkter Verbindung mit der exportorientierten Wachstumspolitik der brasilianischen Regierung sowie verschiedener europäischer Konzerne und ihrer Niederlassungen. Standen allerdings zu Beginn Versprechungen eines besseren Lebens im Vordergrund, sieht die Realität der Betroffenen heute meist ganz anders aus. 

Ein Grossteil der Betroffenen lebt seit langem wegen ihrem Einsatz unter ständiger Angst und weiss nie was der morgige Tag mit sich bringen kann. Sie werden ständig bedroht und auf einige wurde bereits Kopfgeld ausgesetzt. Umso schwerer wiegen hier die Vorwürfe gegen die brasilianische Regierung selbst. Den in vielen Fällen ist es, wie die Fischerin Dona Maria unter Tränen erklärte: “der selbe Staat der uns die Rechte zuspricht, der nimmt sie uns auch!”. Dazu kommen die Bürokratie und die Fahrlässigkeit die den ungleichen Kampf sehr schwierig gestalten. Dies wurde unter anderem auch deutlich, während der Worte des Vertreters der Pataxó Hã-Ha-Hãe aus dem Süden Bahias: seit 30 Jahren setzen wir uns ein für die Demarkierung unserer Territorien, viel Blut ist dabei geflossen und unzählige Brüder haben diesen Kampf mit ihrem Leben bezahlt.” Auf der anderen Seite, wenn Interesse der Regierungsverantwortlichen besteht, kann es allerdings auch sehr schnell gehen. So zum Beispiel im noch nicht anerkannten Territorium der Tupinambás in Olivença, wo italienische und schweizer Konzerne gerade mehrere moderne Resorts für gut bezahlende Touristen direkt am Strand planen.

P1020285

Nach dem die verschiedenen Vertreter_innen der bedrohten Indigenen und traditionellen Völker – die Liste würde hier den Rahmen sprengen, allerdings wenn jemand mehr Details möchte dann sehr gerne – ihren Unmut und Frust äusserten waren die politischen Vertreter an der Reihe.

So äusserte sich die Vorsitzende der Delegation Ana Paula Zacarias in ihrem Statement sichtlich beeindruckt: “Diese Probleme über die wir hier erfahren haben betreffen uns alle. Gerechtigkeit, Menschenrechte, Justiz und Freiheit sind Rechte die der gesamten Bevölkerung zugesprochen werden müssen. Gemeinsam (=die Delegation) werden wir über diese Situation in unseren Herrkunftsländern berichten und schauen wie wir Euch hier untertützen können.”

Es war zweifellos ein sehr bedeutender Moment, im bis auf den letzten Platz besetzten, prunkvollen Festsaal des Dekanates der Universität von Bahia. Den es ist absolut notwendig, dass man diesen Minderheiten die Möglichkeit gibt ihre Situationen zu schildern und den Dialog zu fördern. Den nur gemeinsam ist es möglich die Wirksamkeit der Menschenrechte zu gewährleisten!

Morgen geht es übrigens weiter, und es kommt zu einer Premiere, den es ist das erste Mal das die Delegation aus dem Saal hinaus, direkt zu den Betroffen fahren wird. Auf Einladung der Tupinambás werden sie in ihrem Dorf am Fusse der Serra do Padeira erwartet, und ich werde im Namen der Landpastoralkommission (CPT) an diesem Treffen teilnehmen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s