Wenn ihnen heute etwas geschieht, weiss es morgen die ganze Welt! (2. Teil)

chegada da UE Pajes

Auch am zweiten Tag des offiziellen Programmes der Delegation der Europäischen Union (darunter 8 Botschafter aus Belgien, Slowenien, England, Irland, Schweden, Holland, Finnland und Portugal und 2 Konsul aus Frankreich und Spanien), gemeinsam mit den Regierungsverantwortlichen der Sekretariate für Menschenrechte aus Bahia und Brasília ging es um die Menschenrechtsverletzungen. Diese Mal allerdings direkt vor Ort, bei den Tupinambás am Fusse ihres heiligen Berges, Serra do Padeira, Bezirk Buerarema, im Süden von Bahia.

Diese Region ist gekennzeichnet von hasserfüllten Hetzkampagnen und bewaffneten Konflikten (habe davon schon in früheren Beiträgen berichtet) , ausgehend von lokalen Großgrundbesitzern und der machthabenden Elite. Sie sind erwartungsgemäß von diesem Treffen zwischen den Indigenen Vertretern und Botschafter_innen wenig begeistert und haben das Klima im Vorfeld kräftig angeheizt. Im lokalen Radiosender laufen seit Tagen Reportagen, über den bewaffneten Kampf in der Region, der sich zwischen den Indigenen und Kleinbauern entfacht haben soll. Von diesen Einschüchterungsversuchen hoffen sie sich die Delegation zu verschrecken und Situation für sich auszunützen.

Von all dem ist allerdings bei unserer Ankunft im Dorf der Tupinambás aber nichts zu spüren oder zu sehen. Die Delegation der Europäischen Union wird herzlich mit einem Toré (typisches indigenes Zeremoniell) von den verschiedenen Vertretern der Indigenen Völker (Tupinambás, Pataxó Hã-Ha-Hãe, …) aus dem Süden Bahias empfangen. Nach dem Begrüssungszeremonial werden die Gäste der Tupinambás wie gewöhnlich zum gemeinsamen Frühstück geladen. Dabei konnten sich die geladenen Gäste die vielen köstlichen Speisen und Getränke des reichlich gedeckten Tisch regelrecht im Mund zergehen lassen.

Babau na mesa

Beim anschliessenden gemeinsamen Gespräch wurde dann aber sehr schnell deutlich, wie hart der Kampf für die Indigene Bevölkerung hier ist, wenn sie versuchen ihre Rechte und Existenzgrundlage einzufordern. Die Kriminalisierung der für die Dörfer Verantwortlichen, der respektlose Umgang, die psychische und kulturelle Gewalt, die Verbrechen gegenüber der Natur, der Landraub ihrer Territorien durch Konzerne aus Europa, oder Konzerne mit europäischem Kapital, sind dabei nur einige Punkte die angesprochen wurden.

Dazu kommt das die hart erkämpften Rechte, verankert in der brasilianischen Verfassung ständig umstritten sind, sowie von den Agrarrabgeordneten, der Bancada Ruralista, unter Dauerbeschuss stehen. So zum Beispiel steht in der 1988 abgesegneten brasilianischen Verfassung das die Regierung innerhalb der ersten 5 Jahre alle indigenen Territorien demarkiert. Dies klingt allerdings nach 26 Jahren wie ein ferner Traum, unter anderem, weil der Grossteil der indigenen Territorien immer noch in der Hand der Großgrundbesitzer sowie nationaler und internationaler Konzerne sind. Allein in diesem Moment liegen 16 dieser Gutachten über Territorien die nachweislich den Indigenen Völkern gehören auf dem Tisch der Präsidenten Dilma und warten auf ihre Unterzeichnung.

Die Delegation der Europäischen Union zeigte sich sichtlich beeindruckt – den wie am ersten Tag während der öffentlichen Anhörung in Salvador – waren die Berichte über Gewalt und Wilkür, denen die Indigenen ausgesetzt sind unfassbar. In ihrem Statement verpflichtete sich Ana Paula Zacarias, Vorsitzende der Delegation: “wir werden die Dossier mit all den Menschenrechtsverletzungen die ihr uns übergeben habt aufmerksam durchgehen und in unseren Herrkunkftsländern publik machen. Die Einhaltung der Menschenrechte muss von uns gemeinsam eingefordert werden und ist absolut notwendig um die Minderheiten zu schützen.”

H1430006

Es war ohne Zweifel eine wichtige Begegnung und die Vertreter_innen der Europäischen Union nehmen aus diesen zwei Tage viele Eindrücke mit nach Brasília. Es bleibt zu hoffen, das diese Begegnungen neue Perspektiven und Wege aufzeigen können, sowie neue Brücken zu bauen, auf einem Fundament von Respekt gegenüber der Menschen und der Natur.

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