Von brasilianischen Rinder- und Politikerhorden…

Rebanho de gado

Foto: Mayke Toscano/ Secom-MT

Den größten politischen Block im brasilianischen Abgeordnetenhaus stellt nicht die Arbeiterpartei (=PT). Der stärkste politische Block gehört gar keiner Partei an. Was, wie geht den das? Ganz einfach! Schon mal vom überparteilichen JBS-Block gehört. Ja genau, JBS – steht für José Batista Sobrinho Sociedade Anónima – ist ein brasilianischer börsennotierter Lebensmittelkonzern und gleichnamig größte Fleischproduzent der Welt. Die heutige Aktiengesellschaft JBS ist 2007 durch die Übernahme des US-amerikanischen Fleischkonzerns Swift & Company durch die JBS S.A. entstanden und der Sitz des Konzerns ist in São Paulo und Dallas angesiedelt.

Gemeinsam sorgen sie sich nicht nur um die Verarbeitung, Zubereitung, Verpackung und Vertrieb von sowohl frischem, wie auch gefrorenem Fleisch, Fertigmahlzeiten, Dosenfleisch und Kochfleisch. Zum einen versorgen sie damit den brasilianischen Markt, zum andern exportieren sie aber auch fleißig in die EU, USA, nach Russland, Israel, Lateinamerika,.. kurz um, in die ganze Welt. Somit hatten fast alle Fleischliebhaber, die sich nicht nur in Brasilien schon einmal in eine Grillstube verirrten, mit großer Sicherheit einmal direkt oder indirekt etwas mit diesem Konzern zu tun.

Was hat dies allerdings mit der Politik zu tun werdet ihr Euch jetzt vielleicht fragen? Ich kann Euch versichern, sehr, sehr, sehr viel! Denn laut Angaben der Tageszeitung O Valor haben mehr als 160 Bundestagsabgeordnete (fast ein Drittel) finanzielle Unterstützungen für ihre Wahlkampagne von diesem Konzern bekommen. Insgesamt hat sich die Aktiengesellschaft JBS den ganzen Spaß – oder diese Investition – rund R$ 57,6 Millionen (rund 20 Millionen Euro) kosten lassen. Der Konzern ist somit absoluter Spitzenreiter und deklariert größter Wahlkampfspender.

Für die Aktiengesellschaft JBS ist dies übrigens ein guter Deal. Den laut Marlon Reis, Richter und Mitglied des nationalen Komites zur Bekämpfung der Wahlkorruption, gibt es keine uneigennützigen Spenden: „die Wahlkampagnen der Abgeordneten basiert auf Unternehmerspenden“, oder, wer mehr bekommt, wird eher gewählt und schuldet anschließend dem Unternehmen einen „Gefallen“. Mit anderen Worten, so stellen die Unternehmen sicher das sie weiterhin mit Krediten in Millionenhöhe – aus dem mit öffentlichen Geldern gefüllten Topf – von der Brasilianischen Entwicklungsbank (= Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social), kurz BNDES bekommt.

Eine Hand wäscht eben die Andere, ist doch so, oder?

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