Das Ziel vor Augen!

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Als ich vor sechs Jahren – gemeinsam mit meinem Kollegen Carivaldo des lokalen CPT-Teams der Diozese Barra – das erste mal die gut 400 Familien der Dörfer in den Baixões, 110 km der Stadt Barra im Hinterland Bahias besuchte, waren sie erzürnt und verzweifelt. Dafür hatten sie auch allen Grund, den der Konzern CALCET aus Minas Gerais hatte ohne sie zu informieren schwere Baumaschinen auffahren lassen um Schneisen in die Landschaft zu ziehen und unbekannte Grenzen zu setzen. Dieser Lebensraum, der über Generationen den Familien diente, wurde laut Informationen von einer Firma aus Minas Gerais gekauft, und dieselbe habe große Pläne. Am Ufer des Flusses Rio Grande sollte zuerst die Caatinga (=natürliche Vegetation) in Holzkohle verwandelt und anschließend bewässerte Zuckerrohrplantagen entstehen.

Die Situation nach sechs Jahren könnte wohl kaum unterschiedlicher sein. Damals, ich erinnere mich noch genau, als wir sie zum ersten Mal besuchten, lag eine schwere erdrückende Hitze in der Luft. Der aufgewirbelte Staub der Erdstraßen drang durch jeden Spalt unseres Autos und die Zerstörung der Caatinga, die Schneisen durch die Raupen war verheerend anzusehen.

 Nun, als wir uns neuerlich über die schlechte Erdstrasse bewegen, hat der Himmel alle seine Türen geöffnet und es schüttet seit Stunden wie aus Kübeln. Die trockene Erde hat sich in ein Schlammbad verwandelt, wir queren unzählige mit Wasser gefüllte riesige Pfützen, von denen wir vielfach nicht wissen wie tief sie sind und vergraben unser Auto natürlich einmal ordentlich im Schlamm.

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Doch nicht nur was das Wetter betrifft könnte die Situation nicht unterschiedlicher sein. Seit unserem ersten Besuch hat sich hier viel verändert und die Familien sind heute sichtlich erleichtert. Gemeinsam haben sie sich mit unserer Mithilfe organisiert und sich gegenüber der Firma verteidigt. Nun stehen sie kurz vor ihrem größten Erfolg, den mittlerweile ist klar, dass dieses Gebiet von einer Größe von 70.000ha dem Staat gehört und anhand ihres Nutzungs- und Bleiberechtes mittlerweile ihnen gehört.

Ihre Vorfahren haben dieses brach liegende und abgeschiedene Gebiet im Jahr 1935 entdeckt. Damals, berichtet Seu Osvaldo: „gab es hier noch keine Straßen, keine Häuser, keine Brunnen und das Überleben in der ersten Zeit war hart.“ Nur langsam konnten die Armen, von weit her gekommen Bauernfamilien Fuß fassen und sich hier eine Zukunft aufbauen. Gemeinsam begannen sie die ersten Felder anzulegen, Obstbäume zu pflanzen, einfache Lehmhäuser aufzubauen sowie Fußwege zu errichten.

Schon im Jahr 1953 kam es zum ersten Konflikt. Damals, so hatten sie erfahren, wurde dieses Gebiet von der Familie Pinto aus der Stadt Barra gekauft. Wie das vonstatten ging, konnte die Familie allerdings nie wirklich nachweisen. 1972 wurde das Gebiet von der Familie Pinto – die das Gebiet nie wirklich bewirtschaftete, da die Menschen ihnen den Zugang verwehrten – an die Familie Queiroz aus Pernambuco weiterverkauft. Diese wiederum hat sie an die Familie Dantas, diese an die Firma CALCET und diese mittlerweile an eine südkoreanische Firma verkauft.

Doch keine dieser Familien oder Firmen besitzen die rechtskräftigen Landtitel und nachdem die Familien bei der dafür zuständigen Behörde die Vermessung ihres Landes eingefordert haben ist klar das sie die rechtmäßigen Besitzer sind. Es war eine lange, von Gewalt geprägte Zeit mit vielen Höhen und Tiefen und viele können noch kaum glauben, das die schwierigen, von Unsicherheit geprägten Zeiten endlich vorbei sein sollen.

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Aus diesem Grund sind wir heute übrigens auch wieder hier her gekommen. Die Familien haben uns neuerlich um Hilfe gebeten. Sie wollen ihren Kampf um ihre Rechte dokumentieren, die verschiedenen Schritte und Entscheidungen kritisch hinterfragen um somit anderen Gemeinden die Möglichkeit zu geben aus ihren Erfahrungen zu lernen. Gemeinsam, denn laut Dona Maria: „Wir (=CPT Mitarbeiter) sprechen die selbe Sprache wie die Bauern, die Sprache die sie verstehen, darum haben sie diesen Weg auf sich genommen, Mut geschöpft und daran geglaubt das sie ihre Rechte zugesprochen bekommen“, sollen wir sie auch neuerlich während dieser Aufgabe unterstützen. Jetzt wollen wir ihre Geschichte über diese Zeit und ihren Weg verfilmen. Eine ausgesprochene herausfordernde und auch dankbare Arbeit, bei der wir natürlich gerne behilflich sein werden. Noch dazu, weil wir die Familien über ein Jahre begleiten durften und ihre Geschichte mittlerweile auch Teil von unserer ist. Ihr könnt gespannt sein auf den Film.

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