Zumbi, presente! Dragão do mar, presente! – seit über 300 Jahren aktuell

Consciencia Negra_Carlos Lattuf

Wenn in Brasilien am 20. November, der Tag der Consciência Negra (=Tag des schwarzen Bewusstseins) gefeiert wird, dann wird auch immer des historischen Helden Zumbi von Palmares gedacht. Zumbi (* 1655; † 20. November 1695), war der Anführer des autonomen Königreichs Palmares von entflohenen und frei geborenen Sklaven im heutigen Staat Alagoas, Brasilien.

Palmares war eine Siedlung von geflohenen afrikanischen Sklaven, die erfolgreichen Widerstand gegen die portugiesischen Kolonialregierungen und holländischen Kolonisatoren leisteten. Geflohene Sklaven gingen oft zu ihren alten Plantagen zurück, um ihren ehemaligen Mitgefangenen zur Flucht zu verhelfen. So wuchs die Siedlung auf ungefähr 30.000 Menschen heran. Darunter waren auch brasilianische Ureinwohner, Araber und von der Kolonialregierung unterdrückte Europäer. Durch die Kampfkunst Capoeira konnten zwischen 1654 und 1678 über zwanzig Angriffe der Sklavenhalternationen abgewehrt werden. Die Geschichte von Zumbi, sowie dem Quilombo dos Palmares lebt allerdings weiter und ist heute bis weit über die brasilianischen Grenze hinaus bekannt.

Ohne Zweifel hat sich seit dieser Zeit viel verändert. Mittlerweile gibt es Gesetze für den Schutz der Minderheiten, sowie Quotenplätze in den Universitäten für die Schwarzen und Indigenen. Rassismus gilt heute in Brasilien als Verbrechen und sieht eine Freiheitsstrafe für all diejenigen vor, die basierend auf Rasse, Hautfarbe, ethnischen Zugehörigkeit, Religion oder nationaler Herkunft, sich diskriminierend gegenüber dem Anderen äussern.

Doch Gesetze und Quoten alleine – das wissen wir aus der Geschichte – sind zwar wichtige Schritte, aber natürlich wie sich in diesem Fall deutlich zeigt immer noch viel zu wenig. Wer in Brasilien mit offenen Augen durch das Land geht, dem fällt schnell auf, daß die Diskriminierung der Schwarzen, meist armen Bevölkerung immer noch Gang und Gebe ist. Man muss sich nur in seinem Umfeld umsehen, dann wird man sehr schnell bemerken welche Hautfarbe die Haushaltshilfen, die Strassenverkäufer, die Müllsammler, die Bauern, … haben. Oder schlimmer noch, wie schnell in einem Gespräch jemand sagt: “ja sie ist eine schwarze, aber eine wunderbare Person.”

Die Gesichter des Rassismus in Brasilien sind allerdings noch vielseitiger. Vielleicht erinnert ihr Euch an den brasilianischen Bundestagsabgeordneten und Grossgrundbesitzer Luis Carlos Heinze aus Rio Grande do Sul. Ja genau, – der Luiz Carlos Heinze der vor kurzem wiedergewählt wurde – er war es der dieses Jahr in einer live Übertragung aus dem Abgeordnetenhaus: “alle Homosexuellen, alle Indigenen Völker und Quilombolas (geflohene Nachfahren schwarzafrikanischer ehemaliger Sklaven) sind Vagabunde und müssen aus dem Verkehr gezogen werden.” geschumpfen hat. Darauf hin wurde ein Strafverfahren gegen ihn eingereicht, das – so es der Zufall will – genau vor zwei Tagen, also mitten während der Feierlichkeiten der Consciência Negra vom Obersten Gerichtshof eingestellt wurde.

Aqui está a prova1640

Luiz Carlos Heinze und seinen Kumpanen der Bancada Ruralista können es die Nachfahren von Zumbi auch verdanken, das die Demarkierung ihrer Territorien, seit 26 Jahren in der brasilianischen Verfassung verankert, bis heute noch nicht umgesetzt ist. Heute noch befinden sich 1.462 Prozesse der Anerkennung ihrer Territorien auf den Tischen der Beamte und lediglich 140 davon wurden mittlerweile anerkannt.

Diese und viele andere Gesichter des brasilianischen Rassismus zeigen sehr deutlich, daß es noch ein weiter Weg ist, bis der bis heute präsente Schrei der Freiheit, ausgestossen von Zumbi die Realität verändert. Den dazu gehört unter anderem, dass die brasilianische Gesellschaft alle Rassen, Hautfarben, Etnien,… innerhalb der Gesellschaft endlich akzeptiert, gleichstellt und achtet.

Zumbi, presente!

Dragão do mar, presente!

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