Nachwahlkater – Das Blatt hat sich gewendet, oder zurück in der „Realpolitik“

Katia - Motosserra

Nun ist bereits ein Monat verstrichen seit dem 2. Wahlgang und der Wiederwahl von Präsidentin Dilma der Arbeiterpartei (=PT). Nach der großen Euphorie unter ihren Anhängern, die während der Kampagne „Coração Valente“ („wildes Herz) und „Dilma, muda mais“ (Dilma, verändert mehr) ihr bestes zu diesem Erfolg beigetragen haben, sieht die Welt allerdings nicht mehr so rosig aus.

Sie vertrauten – zum teil ein bisschen blauäugig – darauf, dass durch die Stimmen aus dem linken Lager, die laut einigen Analysen schlussendlich die Garantie zur Wiederwahl waren, es zu einem Linksruck in der Regierungskomposition kommen werde. Das Gegenteil scheint derzeit allerdings der Fall zu sein.

Die ersten Namensvorschläge für das Kabinett – Kátia Abreu als Agrarrministerin und Joaquim Levy als Finanzminister – scheinen mehr die Autonomie der Wirtschaft, sowie die Interessen des Finanzmarktes zu stärken, als der Bevölkerung mehr Mitspracherecht zu garantieren.

Vor allem Kátia Abreu, die vielleicht bekannteste Verteidigerin der „Bancada Ruralista“ (=Zusammenschluss der Agrarrabgeordneten), die wegen ihrer rücksichtslosen Vorgehensweise gegenüber Mensch und Natur letztes Jahr von Greenpeace zu „Miss Motorsäge“ gewählt wurde. Sie repräsentiert allerdings nicht nur große Teile der „Bancada Ruralista“, sondern stellt sich auch klar gegen die Demarkierung von indigenen Territorien, der längst überfälligen Agrarreform und bemühte sich stark für die Veränderung der Waldgesetze – oder besser, neuen Abholzungsgesetze – die im letzten Jahr beschlossen wurden. Schlimmer noch, den gemeinsam mit ihrer Familie konnte sie sich vor Jahren im Bundestaat Tocantins sogar anhand einer Inversion der Agrarreform – sprich, nimm es den Armen und gib es den Reichen – mit tausenden Hektar Land ihre Landbesitze um unzähliges vergrössern. Das ist aber bei weitem noch nicht alles! In einem Interview gab sie kürzlich bekannt, das es nur unter Einsatz von Pestiziden und Herbiziden möglich ist, der armen Bevölkerung billigere Lebensmittel zu garantieren. Also wirklich eine grosse Sympathieträgerin!

Diese Nennung, obwohl noch nicht offiziell, allerdings auch bis zum heutigen Tag von Seiten Dilmas nicht widerlegt, wäre ein schwerer Schlag in die empfindliche Magengegend eines Großteiles ihrer Wähler_innen. Kurios dabei, falls sich die Präsidentin Dilma doch noch für einen anderen Namen entscheiden sollte, wäre dies kaum den Protesten der linken Wählern_innen und sozialen Bewegungen zuzuschreiben, sondern viel mehr Teilen des Agrarrsektors selbst, die nicht mit Kátia Abreu einverstanden sind. Darunter auch die heutige Aktiengesellschaft JBS – brasilianischer börsennotierter Lebensmittelkonzern und gleichnamig größter Fleischproduzent der Welt – die am meisten finanzielle Mittel für die Wiederwahl Dilmas zur Verfügung stellten.

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