Wenn sie Geld verlieren, sprechen sie mit uns!

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Immer öfter versuchen wir in unserer Arbeit die betroffenen Familien zu vernetzen. So auch dieser Tage in Jacobina, als eine Gruppe von Bauern_innen aus der Agrarrreformansiedlung Nova Esperança, im Bezirk Cansanção, die Familien in den Dörfern rund um die Goldmine in Jacobina besuchten.

Die Ausgangslage der betroffenen Familien könnte unterschiedlicher nicht sein. Handelt es sich bei den einen um eine erst gut 10 Jahre alte Agrarrreformansiedlung (ein nach langem Kampf enteigneter damals brachliegender Großgrundbesitz) mitten in der halbtrockenen Sertão, leben die anderen seit Jahrzehnten in Dörfern, die sich in sehr fruchtbaren Tälern, rund um die Goldmine, befinden. Eines allerdings verbindet sie! Beide sind direkt Betroffene von ein und dem selben Bergbaukonzern Yamana Gold der ihnen ihr Leben zur Hölle macht.

Für alle Beteiligten war es ein wichtiger Moment, den wie Seu Carlinhos betonte: „Obwohl wir schon von Euren Problemen von der CPT (=Landpastoralkommission) gehört haben, war es für uns sehr wichtig Euch persönlich kennenzulernen.“ Für die Familien und ihren Widerstand ist es sehr wichtig zu verstehen, dass sie mit ihrer Bedrohung keineswegs alleine sind.

Beiden Seiten war schon nach kurzer Zeit des Gespräches bewusst das die Vorgangsweise des kanadischen Bergbaukonzerns Yamana Gold, immer dieselbe ist. Seit Beginn nämlich versuchen die Mitarbeiter Unruhe in die Dörfer zu bringen. Laut Dona Irene: „zu Beginn hat die Firma uns von so viel schönen Dingen erzählt, heute allerdings wissen wir, dass nichts von dem wahr ist“. Bewusst versuchen sie mit falschen Versprechungen – wie Arbeitsplätzen, neue Straßen, Schulen,… – die Menschen auf ihre Seite zu bringen. Das ging in diesem Fall sogar soweit, das die Minen-Verantwortlichen in den jeweiligen Dörfern – in Jacobina, sowie in Cansanção, und umgekehrt – vom „harmonischen Zusammenleben“ zwischen dem Konzern und den jeweils anderen Betroffenen berichteten. Was sich vom „harmonischen Zusammenleben“ in beiden Fällen anschließend bewahrheitete ist, dass die Familien mit täglichen Sprengungen, Rissen in ihren Hausmauern, Staub und verschmutztem Wasser leben müssen.

In beiden Fällen nehmen sie dies allerdings nicht einfach hin. Aus diesem Grund versuchen sie organisierten Widerstand zu leisten. Unter anderem haben sie schon mehrmals die Zufahrtsstrassen der Mine blockiert. Alle Anwesenden haben hier so ihre Erfahrungen, und es kommt schnell zu einem regen Austausch. Wie lange habt ihr blockiert? Was habt ihr erreicht? fragt Maria die anderen. „Das letzte Mal waren es mehrere Tage“, erzählt Paula darauf. „Nur wenn wir ihren Betrieb für einige Zeit zum Stillstand bringen, wenn sie Geld verlieren, dann sprechen sie mit uns“.

Diese Erfahrungen teilen alle Anwesenden, und gemeinsam spinnen sie schon Gedanken wie sie sich in ihrem Widerstand gemeinsam stärken können. Wer weiß, vielleicht kommt es in weiterer Folge zu gemeinsamen Aktivitäten.

Eines haben sie auf jedenfall bereits vereinbart: der Besuch und Erfahrungsaustausch muss sich wiederholen. Dies soll helfen, alle Betroffenen, sowie ihr Umfeld davon zu überzeugen, das wie Seu José es abschliessend erwähnte: „Auch wenn sie bis heute glauben, dass ihr Minenkonzern ein unzerstörbarer Gigant ist: Es möglich ist, sich dagegen zur Wehr zu setzen und unsere Rechte einzufordern.“

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