Nichts für Vegetarier und Ungeduldige

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Habt ihr schon einmal gesalzenes luftgetrocknetes Schaffleisch probiert? Wer es kennt und schon einmal in den Genuss kam weiß, dass es gegrillt, aber auch im Eintopf mit Gemüse und Bananen einfach köstlich schmeckt. Diese Köstlichkeit gibt es vor allem noch in der Sertão (=halbtrockenen Hinterland Bahias), denn hier war dies über Jahrzehnte die einzige Möglichkeit das Fleisch der geschlachteten Tiere haltbar zu machen und über Tage, gar Wochen aufzubewahren.

Dabei möchte ich bewusst auf die Details verzichten wie man das Tier hier schlachtet und häutet. Doch kann ich mir eine kurze Geschichte dazu nicht verkneifen.

Vor einigen Jahren hatten wir nämlich Besuch von einem guten Freund aus Österreich und gemeinsam waren wir bei meinen Schwiegereltern auf dem Land, besser gesagt in der sertão. Wie es sich für einen guten Gastgeber gehört, hatte mein Schwiegervater natürlich für diesen speziellen Gast einen gut gemästeten Schafbock im Stall eingestellt.

Gleich nach unsere Ankunft zeigte er uns das Tier mit dem Hinweis das ich ihm morgen gleich nach Sonnenaufgang helfen sollte beim schlachten. Als ich unserem Gast das ausgesprochene übersetzt hatte, wurde er gleich euphorisch und bat mich meinem Schwiegervater lauthals zu übersetzen dass er das alles in die Hand nehmen werde. Mein Schwiegervater solle sich keine Sorgen machen den er würde ihm diese Arbeit am nächsten Morgen gerne abnehmen.

Gesagt getan. Noch im Morgengrauen weckte ich unseren Gast und bat ihn in den Stall. Dort hatte ich den Schafbock bereits angebunden und der altbekannte Holzprügel für den tödlichen Genickschlag stand bereit. Als ich unserem Freund den Holzprügel in die Hand drücken wollte schaute er mich ganz unverständlich an und wollte wissen wo der Revolver zu finden sei. Mein Schwiegervater der neben uns stand schüttelte dabei nur den Kopf und bat mich das Notwendige zu tun, denn Revolver gab und gibt es bis heute noch keinen.

Damit allerdings nicht genug. Als das Tier bereits tot am Boden lag und mein Schwiegervater einen Knoten um den Hinterfuß legen wollte um den Bock anschließend über einem Ast zum häuten aufzuhängen kam ihm unser Gast neuerlich in die Quere. Entsetzt betonte er das dieser Konten doch viel zu schwach wäre und er natürlich einen besseren, stärkeren und sicheren Knoten machen könnte.

Mein Schwiegervater hatte bis zu diesem Tag sicher schon hunderte von Schafen auf diese Art und Weise am Baum aufgehängt, aber als guter Gastgeber trat er zwei Schritte zurück und lies ihn schaffen. Als der Bock dann endlich zur Blutung kopfüber am Baum hing kam es wie es kommen musste. Unser Gast hatte kaum mit dem abziehen der Haut begonnen da donnerte das Tier mit einem fürchterlichen Lärm auf den Sandboden. Soviel zum natürlich besseren, stärkeren und sichereren Knoten…

Daraufhin verlor mein Schwiegervater dann doch die Geduld – etwas was ich selten bei ihm mitverfolgen durfte – und schob unseren Gast mit einer raschen und eindeutigen Handbewegung beiseite. Er bat mich, das mit Sand beschmutzte Fleisch und die Haut mit Wasser abzuwaschen und nach dem er nun seinen Knoten um den Fuß gelegt hatte, das Tier wieder hochzustemmen und am Ast anzubinden um die notwendige Arbeit zu erledigen. Arbeit die unser Gast allerdings nur noch aus einer gesunden Entfernung vom Küchenfenster bis zum Schluss beobachtete.

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2 Kommentare zu “Nichts für Vegetarier und Ungeduldige

  1. schöne Bescherung…dann hoffen wir doch, dass der alte Freund über diese Geschichte heute auch so schmunzeln kann wie du…
    liebe Grüsse von Deinem älteren Cousin

    • Hallo Alexander, schön von Dir zu hören, bzw. zu lesen. Ich hoffe doch sehr, das er nach all den Jahren ebenfalls über die ganze Geschichte schmunzeln kann. Schlussendlich ist er ja ein gestandener Naturbursch, Liebe Grüsse

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