Mahlzeit: Vom Regenwald auf den Teller

Foto: Ascom/ Ibama

Foto: Ascom/ Ibama

Der brasilianische Regenwald – auch bekannt als grüne Lunge – spielt nicht nur für das Weltklima eine sehr wichtige Rolle. Sondern, wer hätte das gedacht, hat auch um einiges mehr mit unserem täglichen Schnitzel zu tun, als sich viele wahrscheinlich vorstellen können.

Jedes Mal wenn wir von neuen Abholzungen im Amazonasgebiet hören, können wir uns sicher sein, dass es sich um neue Agrarrflächen für die Rinderzucht und den Soja-Anbau handelt. Die erst kürzlich veröffentlichten Zahlen sind dabei neuerlich alarmierend.

Laut dem Sistema de Alerta de Desmatamento (=Warnsystem der abgeholzten Flächen) stieg die Anzahl der gerodeten Fläche, in den neun Bundesländern die dem Amazonasgebiet angehören, im Februar diesen Jahres um 282%, im Vergleich zum gleichen Monat im letzten Jahr. Die Abholzungen erstreckten sich dabei vor allem auf das Bundesland Mato Grosso (37%), Rondonia (28%), Amazonas (16%), Pára (14%) e Rondônia (5%). Dabei wurde der größte Teil auf privaten Fazendas (79%), aber auch in Agrarreformansiedlungen (18%) sowie in Umweltschutzgebieten (2%) und indigenen Territorien (1%) abgeholzt.

Kaum verwunderlich ist dabei, dass die Bundesländer Mato Grosso und Rondônio mit Abstand an erster Stelle stehen. Mato Grosso, besser bekannt als die Soja-Hochburg Brasiliens, mit seinen bis ans unendlich grenzenden Monokulturplantagen beherbergt unter anderem die Familie Maggi, weltweit bekannt als größter Sojaproduzent. Schon der Süden Rondônias ist bekannt als die neue Front der Soja-Produzenten die sich immer mehr Richtung Norden ausbreiten um der weltweiten Nachfrage gerecht zu werden.

Aber nun zurück zu unserem Schnitzel.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der in Brüssel ansässigen NGO „Fern“ ist nämlich die EU weltweit einer der größten Importeure von Waren aus illegal gerodeten Gebieten. Die abgeholzten Flächen sind laut der Studie enorm hoch, denn während dem Jahr 2000 bis 2012, wurden alle zwei Minuten illegale Anbauflächen von der Größe eines Fußballfeldes geschaffen, um die EU mit Rindfleisch, Soja (vor allem für Futtermittel für unsere Schweine) und Leder zu versorgen.

Foto: Fernando Dias/ Seapa

Foto: Fernando Dias/ Seapa

Das bedeutet konkret, dass die EU während diese Zeitraumes jährlich Agrarprodukte im Wert von sechs Milliarden Euro, die von illegal abgeholzten Flächen stammen, importierten. Darunter gingen laut dem Bericht insgesamt 25% des international gehandelten Soja, sowie 18% des gesamten Palmöls, 15% des Rindfleisches sowie 31% des Leder in Richtung EU.

Damit allerdings nicht genug, denn die illegale Abholzung der brasilianischen Regenwälder geht zusätzlich einher mit der Bedrohung und Verfolgung der Indigenen Völker, Bauern und Bäuerinnen sowie Umweltschützer_innen die in einem fast unbesiegbar scheinenden Kampf zwischen David gegen Goliath ihr Leben riskieren, oder dabei verloren haben.

Die letzten Jahre haben dabei gezeigt, dass die brasilianische Regierung sowie die Verantwortlichen der EU, keinesfalls daran interessiert sind der illegalen Entwaldung einen Riegel vorzuschieben. Denn solange die Nachfrage steigt muss der Markt, oder besser wir Schnitzelliebhaber, ja zufriedengestellt und gesättigt werden.

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Ein Kommentar zu “Mahlzeit: Vom Regenwald auf den Teller

  1. ja du hast recht Thomas, schon vor vielen Jahren schrieb ein italieneischer Soziologe (Alberoni) einen Kommentar (weiß nicht mehr in welcher Tageszeitung) über das Verschwinden des Regenwaldes mit dem Titel “ Auch die Hamburger töten Amazonasgebiet“ (anche gli Hamburger uccidono l’Amazzonia). Leider hat sich die Situation nicht verbessert, wie ich von deinen Nachrichten lese.
    Seit einigen Jahren haben sich verschiedenen Organisationen, Gewerkschaften bewegt, um uns Verbraucher ein wenig zu „schütteln“. Ihr Zweck ist vor allem die Verbraucher zu überzeugen, lokale und saisonale Produkte zu verbrauchen. In diesem Fall würden viele bedrohte Gebiete geschont und die lokale Bauerökonomie unterstützt. Leider ist die Nachfrage bisher nicht sehr groß, aber sie steigt zu, vor allem in Regionen, wo das Lebensstandard besser ist. Anderseits auch in den sogenannter ersten Welt wird die Armut größer und die Leute haben auch weniger Geld, um lokale Produkte kaufen zu können.

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