Die Zeiten werden härter, die Zahlen werden größer

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Allein im Jahr 2014 waren insgesamt 817.102 Personen in 1.286 Konflikte auf brasilianischem Territorium involviert. Dies sind um 20 Konflikte mehr als im Jahr zuvor. Dabei haben. Dabei haben 36 Menschen (im Jahr 2013 waren es 34) ihr Leben verloren. Die Anzahl von Ermordungen hätte allerdings leicht noch viel höher ausfallen können, denn insgesamt wurden auf zusätzlich 56 Menschen Anschläge verübt.

Dank der Initiative und Einladung meines Freundes Universitätsprofessor Sander Prates war es den Jus-StudentenInnen der Universität in Jacobina gegönnt ein bisschen mehr über die aktuelle Situation der Land-, Wasser und Arbeitskonflikte zu erfahren. Es war ein wichtiger Moment um die Situation vieler Menschen – sowie ihres Überlebensdramas – die von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, anhand unserer jährlich herausgegebenen Konfliktbroschüre des Jahres 2014 aufzuzeigen.

Die Erzählungen der direkt Betroffenen lösten große Betroffenheit unter den zukünftigen JuristInnen aus. So zum Beispiel erzählte Rubens Farias, aus dem Dorf Borda da Mata, Bezirk Campo Formoso, über die ständigen Bedrohungen mit denen er täglich konfrontiert ist: “Ich weiß schon lange nicht mehr, wenn ich Morgens aus dem Haus gehe, ob ich am Abend auch wieder lebend nach zu meiner Familie zurückkomme.” Borda da Mata befindet sie sich regelrecht umzingelt von einem Bergbaukonzern und einem neuen Windparkprojekt.

Im Anschluss berichtete Rita de Cassia, aus dem ehemaligen Dorf Canavieira de Fora, im Bezirk Jacobina, unter Tränen wie sie die Räumung ihrer Gemeinde miterleben musste. Dabei betonte sie: “wir sind geblieben bis zum Schluss, haben alles nur Mögliche versucht, aber wir hatten gegen den kanadischen Konzern JMC Yamana Gold keine Chance”. Der Ausbau des Abwasserbeckens und ein neue Galerie, die von Umweltamt nie genehmigt werden hätte dürfen – da sie sich in unmittelbarer Nähe des Dorfes befinden – haben schlussendlich ein Überleben schlichtweg unmöglich gemacht. Abschließend bedankte sie sich recht herzlich bei mir und den weiteren anwesenden CPT-Mitarbeitern, denn wie sie berichtete stehen die Dorfbewohner anhand unserer Unterstützung heute nicht mit leeren Händen da und der Bergbaukonzern musste ihnen wenigstens neue Häuser in der Stadt bauen. Dies ist allerdings nur ein kleiner Trost wenn man seine Geschichte, alles was man aufgebaut hat, seine dort begrabenen Vorfahren, einfach alles zurück lassen muss.

Rubens und Rita sind allerdings “nur” zwei Vertreter der insgesamt 17.750 Familien die in 102 Konflikte im Bundesland Bahia involviert waren. Sie stehen für alle die im letzten Jahr verfolgt, mit Gewalt bedroht oder sogar in ihrem Überlebenskampf ums Leben gekommen sind. Viele dieser Verbrechen blieben bis zum heutigen Tag unbestraft und die Straflosigkeit steht direkt in Verbindung mit der Zunahme der Gewalt und der Konflikte über die letzten Jahre.

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