Vom Staat für tot erklärt

Ritual im indigenen Dorf Cajueiro Piraí zwei Tage vor dem Massaker_Gamela_2

Ritual im indigenen Dorf Cajueiro Piraí zwei Tage vor dem Massaker/ Foto: Gamela

Es ist für mich sehr schwierig über den Tag des Massakers zu sprechen, denn der Schmerz und die Erinnerung an das vergossene Blut, kommt immer wieder in mir hoch.” Das sind die ersten Worte von Dilma Akroá Gamela, als ich mit ihr über die Ereignisse des 30. April in Viana, im Bundesstaat Maranhão spreche. Dilma war dabei, als 250 Fazendeiros mit Pistolen und Macheten ein Massaker anrichteten. 22 Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Nur einem Wunder ist es zu verdanken, dass keine Todesopfer zu beklagen sind.

Das Volk der Gamela ist klein. Nur 1.300 Menschen fühlen sich zugehörig. Wahrscheinlich mit ein Grund warum die Regierung die Anerkennung bis heute verweigert. Im Gespräch erzählt mir Dilma weiter: “Es ist ein täglicher Kampf unsere Identität zu schützen, denn viele hier respektieren uns und unseren Anspruch auf unser Land nicht.” Aber die Ablehnung der Gamela und der Hass gegen sie geht viel weiter: Der Bundestagsabgeordnete Aluisio Mendes verhöhnt die Gamela als Pseudoindigene.

 

Trotz aller Anfeindungen und Bedrohungen hat sich das Volk der Gamela vor drei Jahren entschieden das Land ihrer Ahnen, von dem sie vertrieben wurden zu besetzen. “Die Besetzung des Landes ist ein notwendiger Akt ziviler Ungehorsamkeit gegenüber einem Staat der uns permanent für tot erklärte, ein Hilfeschrei” erklärt mir Inaldo, den “die Existenz eines Volkes lässt sich nicht von einen offiziellen Dekret abhängig machen.”

Insgesamt haben die Indigenen über die letzten 3 Jahre 500 ha ihres Territorium zurückerobert. Hier leben sie eingekesselt und in grosser Gefahr. Denn liegt auf der einen Seite eine stark befahrene Durchzugstrasse, sind es auf der anderen Seite die Stacheldrahtzäune der erzürnten Grossgrundbesitzer die den Indigenen ihr Leben schwer machen. Die selben Grossgrundbesitzer mit ihren Milizen sind auch verantwortlich für das Massaker, das bei einem Treffen, mit Churrasco und Bier “zum Schutz des Privateigentums” – vorbereitet wurde.

 

Wir wussten von diesem Treffen und wollten diese Konfrontation vermeiden” erzählt mir Inaldo, “aus diesem Grund haben wir uns entschieden das zuletzt rückeroberte Stück Land zu verlassen.” Das Massaker erreignete sich während ihres Rückzugs. Die Milizen versuchten gezielt die “Anführer” zu erwischen. Inaldo hatte Glück und kam mit einer Schussverletzung am Kopf davon. Weniger Glück hatten zwei Indigene denen beide Arme mit einer Machete abgetrennt wurden. Insgesamt wurden 22 Menschen zum Teil schwer verletzt. “Am schlimmsten dabei war für mich zu sehen wie meine Verwandten brutal misshandelt wurden aber ich nichts für sie tun konnte” Inaldo ringt während des letzten Satzes mit den Worten.

Bereits 2015 und 2016 ereigneten sich schwere Übergriffe in der Region. Trotz der Bedrohung ihrer Leben ist Dilma und den Indigenen des Volkes Akroá Gamela ist aber klar, dass sie ihren Kampf niemals aufgeben werden:“Wenn sie glauben das sie uns durch ihre Attacken einschüchtern können dann täuschen sie sich. Das Blut unserer Verwandten ist wie ein Samen der aus dem Boden sprisst.” Was bleibt ihnen auch übrig? Sie haben keinen Platz wo sie hin können. Das Land ihrer Ahnen zurück zu gewinnen ist die letzte Hoffnung, die ihnen bleibt.

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