Vom Staat für tot erklärt

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Ritual im indigenen Dorf Cajueiro Piraí zwei Tage vor dem Massaker/ Foto: Gamela

Es ist für mich sehr schwierig über den Tag des Massakers zu sprechen, denn der Schmerz und die Erinnerung an das vergossene Blut, kommt immer wieder in mir hoch.” Das sind die ersten Worte von Dilma Akroá Gamela, als ich mit ihr über die Ereignisse des 30. April in Viana, im Bundesstaat Maranhão spreche. Dilma war dabei, als 250 Fazendeiros mit Pistolen und Macheten ein Massaker anrichteten. 22 Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Nur einem Wunder ist es zu verdanken, dass keine Todesopfer zu beklagen sind.

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Demarcation NOW!

Über 25 Brasilianische Künstler/Innen machen sich mit diesem absolut sehens- und vor allem hörenswerten Lied stark für die Rechte der Indigenen Völker ihres Landes. Dabei geht es um den Rechtsanspruch auf ihre Territorien, ein in der Verfassung garantiertes Recht, das die Regierung jedoch illegitimerweise ignoriert.

Zu viele Indigene habe schon ihr Leben im Überlebenskampf um ihrer Territorien verloren, daher: DEMARCATION NOW!

Apikay wird geräumt!

Als ich vor ein paar Monaten dieses von den Guarani-Kaiowá wiederbesetzte Gebiet gemeinsam mit unseren Projektpartnern der DKA Christian Herret und Angela Kemper und einem österreichischen ORF-Team besuchte, war ich schockiert vom dem was ich gesehen habe. Die neun Familien lebten unter unmenschlichen Verhältnissen ohne Zugang zu Wasser, Wald, Bildung, Gesundheit,… neun Menschen wurden bereits Opfer und sind an Ort und Stelle gestorben – acht Personen wurden schlichtweg am Strassenrand überfahren und eine weitere Person vergiftet durch die Pestizide die auf den Plantagen rund ihr Zeltlager verwendet wurde … nun wird dieses Gebiet neuerlich durch die Polizei geräumt, es ist einfach zum schreien, obwohl ich aus meiner Erfahrung weiss das dies hier in Brasilien tagtäglich vorkommt.

Fotos: CIMI und Natanel Vilharva Caceres

 

Damiana findet keinen Frieden

Zeltlager

Einmal mehr droht den Familien rund um die bescheidene, niemals aufgebende hagere Schamanin Damiana, die Vertreibung! Laut der ausgestellten Verfügung müssen sie binnen fünf Tagen nach Erhalt des Räumungsbefehles ihre Siedlung, das Land ihrer Ahnen, verlassen.

Ich kann mich noch gut erinnern als ich im letzten November, an einem furchtbar feucht-schwülen Tag in der ärgsten Mittagshitze das indigene Gebiet Apyka’iTekoha, im Bezirk Dourados in Mato Grosso do Sul betrat. Der trostlose Anblick des einfachen Zeltlagers, der insgesamt neun Familien die unermüdlich aushaarten, war für uns Alle – ich war unterwegs mit Angela Kemper und Christian Herret von unserer Partnerorganisation der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar und des steirischen ORF Teams, verantwortlich für den am Neujahrstag ausgestrahlten Film: Hilfe unter gutem Stern – Hinter Brasiliens Kulissen –  keine einfache Sache.

Damiana und die Familien leben hier auf diesem von ihnen wiederbesetzten Gebiet, eingekreist zwischen den ins unendlich reichenden Zuckerrohrfeldern der Firma Bumlai. Der Zuckerbaron José Carlos Bumlai des Agrartreibstoffunternehmens ist ein persönlicher Freund des brasilianischen Ex-Präsidenten Luis Inacio “Lula” da Silva und hat sich in selbstverständlicher Manier über das indigene Territorium der Guarani-Kaiowá ausgebreitet.

Damiana

“Die Zuckerrohrplantagen behindern uns. Und wir haben keinen Platz, um zu pflanzen. Weil alles voll mit Zuckerrohr ist. Zuckerrohr hat keinen Wert für uns Indigene. Den Weißen bringt es was. Den Indios nichts. Wer keine Zähne hat, der kann nicht einmal ins Zuckerrohr beißen.” erzählt uns Damiana während wir den lokalen Friedhof aufsuchen. Der Friedhof ist voll mit ihren Liebsten. Acht Familienangehörige mussten in dem Konflikt bereits ihr Leben lassen, wurden für das Zuckerrohr getötet. Ihre Hütten wurden in Brand gesetzt, ihr Trinkwasser ist durch Pestizide vergiftet. Trotzdem betont Damiana: “Warum soll ich von hier wieder weg, ich geh nicht wieder weg, das ist ein altes indigenes Gebiet, die Wurzeln meines Vaters sind hier. Und ich will in der Nähe meines Vaters bleiben.Ich werde von hier nie mehr weg. Warum auch?”

Doch neuerlich scheint, dass der Bundesrichter Fábio Kaiut Nunes – trotz des bereits eingeleiteten Verfahrens der Indigenen auf Anspruch auf das Land ihrer Ahnen – ohne den Einspruch der Staatsanwaltschaft zu respektieren, einen weiteren Etappensieg für die Agrarriesen einfahren wird.

Dies ist allerdings nicht weiter verwunderlich, da es sich um denselben Richter handelt, der vor einiger Zeit einen ähnlichen Prozess einfach mit der Begründung: „ich sehe keine Chance die Verbrechen gegen die Indigenen zu stoppen” einfach annullierte. Ein regelrechter Freibrief für jedes weitere kriminelle Verhalten!

Hilfe unter gutem Stern – Hinter Brasiliens strahlender Kulisse

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Bereits zum zweiten Mal – nach 2013, “Die Sternsinger – 60 Jahre Hilfe für die Armen der Welt – durfte ich auf Einladung der Dreikönigsaktion (Hilfswerk der Katholischen Jungschar) und des steirischen ORF Teams an der Filmreise quer durch Brasilien teilnehmen.

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Es ist unser Territorium

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Die Klimaanlage im Gerichtszimmer der Stadt Dourados in Mato Grosso do Sul läuft auf Hochtouren. Während, der Assistent die Namen der im Prozess involvierten Personen aufruft, überfliegt der Richter nochmals kurz die Akten des Straffverfahrens. Vorgeladen sind. Angeklagter: Großgrundbesitzer. Kläger: Staatsanwalt der Republik Brasilien. Die Anklage im Strafverfahren lautet: unerlaubter Einsatz von giftigen Pestiziden im Wohngebiet.

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Brasiliens unverzeihbarer Völkermord

Foto: Cris Freitas via CIMI

Foto: Cris Freitas via CIMI

Liebe FreundeInnen,

heute möchte ich Euch diese wichtige Nachricht (die ich aus dem portugiesischen übersetzt habe) die mich über einen meiner Freunde aus Mato Grosso do Sul erreicht hat weiterleiten. Es ist für uns alle wichtig, das diese Situation in der ganzen Welt bekannt gemacht wird. Ich bitte Euch somit sie an Eure FreundeInnen weiterzuleiten und zu -teilen. In der Hoffnung das es uns somit gelingt die brasilianische Regierung und Bevölkerung zum Handeln zu zwingen.

Wir sind alle Indigene. Angesichts der grausamen Völkermorde an den Indigenen Völkern Brasiliens fordern die Sozialen- und Gewerkschaftsbewegungen von Mato Grosso do Sul eine parlamentarische Untersuchungskommission

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Wenn ihnen heute etwas geschieht, weiss es morgen die ganze Welt! (1. Teil)

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Die Realität schaut immer anders aus, als die Mythen die damit in Verbindung gebracht werden.” Diese Worte, ausgesprochen von der slowenischen Botschafterin Milena Šmit in Brasilien und Teil der Delegation der Europäischen Union in Brasilien – während der gestrigen öffentlichen Anhörung “Zehn Gesichter des Kampfes für die Menschenrechte in Brasilien” der Indigenen Völker und der traditionellen ländlichen Bevölkerung (Quilombolas, Fundo e Fecho de Pasto, Pescadores,..) – hätten wohl nicht passender sein können.

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Die grossen Verlierer der Wahl: die Indigenen, die Quilombolas, die Bauern, die Landlosen…

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Noch gilt es die Stichwahl Ende Oktober zwischen Dilma und Aécio abzuwarten, doch längst ist klar, dass einmal mehr die Indigenen Völker, die Quilombolas, die Bauern und Landlosen die großen Verlierer dieser Wahlen sind.

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Von falschen Indianern und indigenen Warteschlangen

CIMI

Foto: CIMI

Aurino Santos Calazans – 28, Agenor de Souza Júnior – 28 und Ademilson Vieira dos Santos – 36, aus Olivença im Süden des Bundesstaat Bahia, wurden auf ihrem Heimweg aus dem Hinterhalt angeschossen und anschliessend brutal zu Tode gefoltert.

Der Tod der drei Angehörigen des indigenen Volks der Tupinambás ist leider kein Einzelfall. Allein im letzten Jahr 2013 kamen 53 Indigene, beim Versuch sich für ihre in der brasilianischen Verfassung verankerten Rechte einzusetzen, ums Leben.

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