Brasiliens blutgetränkte Erde

UnknownEigentlich bin ich kein Freund von dieser Art von Fotos. Aber das Jahr 2017 scheint als eines der blutigsten Zeiten in die Geschichte einzugehen seit Ende der brasilianischen Militärdiktatur 1985.

Nach den Massakern in Colniza (09 Ermordete), nach dem blutigen Angriff auf Mitglieder des indigenen Volkes der Gamela Ende April dieses Jahres, bei dem es zu Schußverletzungen kam, einem Indigenen wurden die Hände mit der Machete abgeschlagen, hat die Gewalt einen neuen traurigen Höhepunkt erreicht: Diesen Mittwoch, 24. Mai 2017, wurden 10 Kleinbauern (09 Männer und 01 Frau) während eines Räumungsbefehl in Pau D´Arco, im amazonischen Bundesstaat Pará, von der lokalen Polizei regelrecht exekutiert.

Der Konfikt

Erst vor wenigen Monaten, am 21. Oktober 2016, kam es zu einer Zusammenkunft zwischen Vertretern der Kleinbauern und Beamten der Argrareformbehörde INCRA in Marabá. An der Besprechung nahmen unter anderem auch der Ombudsmann für Agrarrkonflikte, Gercino José da Silva Filho, sowie Aílson Silveira Machado, Sekretariat für Menscherechte des Ministeriums für Justiz und Bürgerschaft, teil.

Der damalige lokale Leiter der INCRA, Claudeck Alves Ferreira, versprach den Kleinbauern, den Fazendeiro zu kontaktieren und den Enteignungsprozess im Sinne der Agrarreform voranzutreiben. Allerdings forderte er von den Kleinbauern, das besetzte Gebiet zu verlassen, da es sonst nicht zu einer Begutachtung und Enteignung kommen könnte.

Trotz dieser Situation hat der Richter aus Redenção diese Woche einen Räumungsbefehl ausgestellt. Dabei hat er die Orientierungsvorgaben der Ombudsstelle für Agrarkonflikte und der Justiz – die fordern ein speziell geschultes Einsatzkommando in solcher Situation, eine Regel, die nach dem Massaker vom 17. April 1996 von Eldorado dos Carajás, bei dem 19 landlose Kleinbauern von der Polizei erschossen worden waren, eingeführt worden war – mißachtet und die lokale Polizei mit dem Räumungsbefehl beauftragt.

Neun Männer und eine Frau wurden bei der Räumung erschossen.

Unknown1Nach dem Massaker wurden die Leichname übereinander gestapelt auf einem offenen Pickup zur Obuktion in die benachbarte Stadt Marabá (350km entfernt) gebracht. Eine obduktion vor Ort, die näheren Aufschluß über das Massaker und das Vorgehen hätte geben können, wurde dadurch verhindert. Heute in den frühen Morgenstunden wurden die sterblichen Überreste, in bereits verwesendem Zustand, den Zurückgebliebenen übergeben. Bekannte und Freunde der Ermordeten, die sich über Nacht vor dem Obduktionsgebäude versammelten, um der Toten zu gedenken und die Einbalsamierung der Körper forderten, hatten, wie es scheint, eine Vorahnung, was sie erwarten würde.

Die traurige Bilanz der auf dem Land Ermordeten steigt somit auf insgesamt 36 allein in den ersten Monaten dieses Jahres. Im Jahr 2016 war es im gesamten Jahr zu 61 Ermordungen bei Landkonflikten gekommen, wie die Landpastorale CPT errechnet hatte.

Brasilien ist nichts für Anfänger! Gedanken zum Generalstreik!

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Über 90% der Brasilianerinnen und Brasilianer sind mit der Regierung Temer unzufrieden. Eigentlich dürfte es für so eine überwältigende Mehrheit kein Problem sein, sich gegen einen derart unpopulären und kriminell an die Macht gekommenen Präsidenten und seinen Komparsen zur Wehr setzen, oder?

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Massaker in Mato Grosso (Teil 2)

Sebastião Ferreira de Souza, Izaul Brito dos Santos, Hezekiah Oliveira Santos, Edson Alves Antunes, knarrte Valmir do Nascimento, Samuel Antonio da Cunha, Francisco Chaves da Silva, Fabio Rodrigues dos Santos und Aldo Aparecido Carlini.

Das sind die Namen der neun Männer, Landarbeiter und Familienväter, die am Mittwoch den 19 April, im Gebiet Taquaruçu do Norte, in Colniza, Mato Grosso kaltblütig ermordet wurden. Fünf davon wurden in Colniza begraben. Drei weitere wurden im Bezirk Guariba, Mato Grosso begraben, und eine Person im Bundesstaat Rondônia.

Die Bilder stammen von Caio Mota, Centro Popular de Audiovisual, und wurden am gestrigen Nachmittag während der berührenden Abschiedszeremonie auf dem Friedhof in Colniza aufgenommen.

Massaker in Mato Grosso

14° Romaria Pau de Colher_Casa Nova_Diocese de Juazeiro_tB (5 de 94).jpgWährend die Welt ihre Aufmerksamkeit nach dem furchtbaren Anschlag auf Paris richtet, ereignete sich gestern, Donnerstag den 20. April, in Colniza, im Bundestaat Mato Grosso, ein schreckliches Massaker. Man spricht von mindestens zehn Ermordeten, darunter auch Kinder und ältere Menschen, die dabei ums Leben gekommen sind.

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35x Film ab!

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Als wir am 13. März im ausverkauften Rechbauerkino in Graz die Premiere meiner Doku “SOJA: Der Fleisch gewordene Wahnsinn” feierten, war ich doch recht überrascht über den großen Publikumsandrang: Der Saal war zum bersten voll. Zu meiner Freude sollte sich dies auch während der restlichen Filmaufführungen auf meiner Tour quer durch Österreich wiederholen.

Ohne das vorab in mich gesetzte Vertrauen von Welthaus Graz – allen voran Sigrun Zwanzger und Markus Meister – wäre es kaum zu diesem Filmprojekt gekommen. Besonders wichtig war mir dabei auch den konkreten Zusammenhang mit Österreich, den hier zu Lande verwendeten Futtermittel und unserem Fleischkonsum herzustellen. Nicht, dass ich selbst auf gutes Fleisch verzichten möchte. Doch denke ich darf es ruhig weniger sein, den die durchschnittlichen 60kg pro Kopf und Nase im Jahr tun weder der Umwelt, weder den Menschen in den Anbaugebieten noch unserer Gesundheit gut.

Die gut besuchten Veranstaltungen und Filmvorführungen (über 2000 Menschen in einem Monat) in Landwirtschaftsschulen, Hotelfachschulen und öffentlichen Vorführungen in der Steiermark, Oberösterreich, Wien, Niederösterreich, Salzburg, Innsbruck und Vorarlberg lassen darauf schliessen das dieses Thema die Meschen bewegt. Bewusst zu konsumieren, zu wissen von wo/wem man es einkauft, weniger ist mehr, waren dabei nur einige der anschliessenden Diskussionspunkte. Die katastrophalen im Film gezeigten Auswirkungen auf Mensch und Natur in Brasilien haben sehr viel Betroffenheit unter den Zuschauern ausgelöst.

Für Alle die keine Zeit und Möglichkeit gefunden haben an einem der Filmabende teilzunehmen gibt es die Doku “SOJA: Der Fleisch gewordene Wahnsinn” nun auch online zum nachschauen. Viel Spass! Über feedbacks jeder Art freue ich mich ganz besonders.

„Von Tag zu Tag“: Soja-Anbau und seine Folgen

Impactos Soja Welthaus Graz (6 de 62)

Gestern Nachmittag hatte ich das Vergnügen mit Johann Kneihs während der Sendung „Von Tag zu Tag“ auf Ö1, 14:05-14:40, über die Folgen des Soja-Anbau in Brasilien zu sprechen.

Unter diesem link gibt es die Sendung noch für fünf Tage zum nachhören:

http://oe1.orf.at/programm/461831

Alles was bisher getan wurde, ist absolut unzureichend!

„Alles was bisher getan wurde, ist absolut unzureichend“, Bischof Geraldo Lyrio Rocha, Erzbischof der Diözese Mariana, Minas Gerais, spricht über das Verbrechen der SAMARCO/ VALE/ BHP Billiton.

Diese Serie von Kurzvideos ist Teil der Reise entlang des Flusses Rio Dock ein Jahr nach dem grössten Sozialen- und Umweltverbrechen Brasiliens, verursacht durch die Bergbaugesellschaft SAMARCO/ VALE/ BHP Billiton.

Der Schlamm hat mein Haus verschlungen

ich will nicht hier sein, ich musste umsiedeln weil mein Haus dort zerstört wurde“ – Dona Aparecida wohnte in Paracatu de Baixo und musste nach Mariana umsiedeln nach dem das Staubecken der SAMARCO brach.

Diese Serie von Kurzvideos ist Teil der Reise entlang des Flusses Rio Dock ein Jahr nach dem grössten Sozialen- und Umweltverbrechen Brasiliens, verursacht durch die Bergbaugesellschaft SAMARCO/ VALE/ BHP Billiton.

Die Angst vor Cowboystiefel

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Ich sitze am Flugplatz von Cuiabá, im Bundesland Mato Grosso, und warte auf den Flieger nach Confresa in der Region Araguaia. Die Hitze ist schon frühmorgens schwer erträglich und es liegt ein milchiger Dunst über der gesamten Region. Mir gegenüber, ein Fazendeiro wie man sich ihn so vorstellt. Lederne Cowboystiefel, Ledergürtel mit schwerer metallener Gürtelschnalle und Cowboyhut. Das Handy permanent am Ohr spricht er vom anstehenden Regen, der Sojaaussaat und des unsicheren Dollarkurses der im den Schlaf raubt.

Nach einem seiner Telefonate mustert er mich kurz und zögert nicht mit der Frage wo ich denn hin will? Ich überlege kurz, dann antworte ich, dass ich in die Araguaia-Region fliege. Jetzt will er mehr wissen: Was willst Du denn dort? Kennst Du dort jemanden? Ich erwidere ihm kurz, dass ich eingeladen wurde für eine Fotoreportage. Ganz zufrieden scheint er nicht mit meiner Antwort, aber da läutet schon wieder sein Telefon.

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Kurze Zeit später finden wir uns im selben kleinen neunsitzigen Flieger dicht neben einander wieder. Als ich meinen Fotoapparat auspacke schaut er mir ohne ein Wort zu verlieren misstrauisch über die Schulter. Wir heben ab. Gleich nach dem Start, als wir die Stadt Cuiabá hinter uns lassen, gibt es außer riesigen gerodeten Flächen für den Sojaanbau mit kleinen von Bäumen umgebenen “Vogelnestern” – dort wohnen die Fazendeiros – nicht viel zu sehen.

Mein Gegenüber verfolgt meine Blicke über die ausgetrockneten Monokulturfelder. Plötzlich klopft er mir auf die Schulter. Schau, schreit er in den vom Lärm der Rotoren erfüllten Innenraum des Fliegers: „Dort, ein indigenes Dorf, mach ein Foto!“ Ich erfülle prompt seinen Wunsch und drücke auf den Auslöser. Kurz Zeit später ruft er mich wieder um mir ein weiteres indigenes Dorf zu zeigen. Neuerlich schaue ich in die Richtung seines Zeigefingers. Ich zeige gegen den Himmel und sage zu ihm, dass die Sicht anhand des milchigen Dunstes, provoziert durch den Rauch der Brandrodungen, irrsinnig schlecht ist.

Auf diesen meinen Kommentar hat er scheint’s nur gewartet. Es kommt wie aus der Pistole geschossen: Ja, so sind die Indianer! Die legen ständig Feuer und nichts ist vor ihnen sicher. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust mich in ein Gespräch mit ihm zu vertiefen und der Lärm der Rotoren kommt mir in diesem Moment sehr gelegen und ich wende mich wieder meine Fenster zu.

Kurze Zeit später setzen wir zum Landeanflug und Zwischenstopp auf die Stadt Água Boa an. Am Boden angekommen müssen wir aussteigen um das Flugzeug aufzutanken. Neben der Landebahn wartet auf meinen Sitznachbar schon ein neuer blitzender Pick-up. Er ist mir schon ein paar Schritte voraus, da dreht er sich nochmals um und verabschiedet sich mit den Worten: “Sei vorsichtig, das ist eine gefährliche Gegend für Fotoreporter”. Nun drängt sich mir natürlich die Frage auf vor wem ich denn Angst haben muss, den Indigenen oder vor Menschen wie ihm, den Fazendeiros und den Verantwortlichen der “modernen Agrarkonzerne”?

Scherbenhaufen (oder Katerstimmung) in der Bananenrepublik

Michel Temer

Nach der gestrigen 21-Stündigen Marathonsitzung des brasilianischen Senats ist die brasilianische politische Geschichte, aufgrund der Absegnung des Amtsenthebungsverfahren der Präsidentin, um eine weitere skurrile Facette reicher.

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