Pater Alfred Haasler – die Strafe des Bischofs ist ein Österreicher

Pater Alfred Haasler

Pater Alfred Haasler

Ich muss Euch gestehen, als mich Pater Josef Hehenberger – mitverantwortlich dafür das ich nun schon fast 20 Jahre in Jacobina bin – vor ein paar Monaten bat, ein Porträt über Pater Alfred Haasler, den ersten Zisterziensermissionar in Jacobina zu erstellen, und zu einem Film zu verarbeiten, kamen mir angesichts der großen Verantwortung und Herausforderung einige Zweifel. Gleichzeitig war mir aber auch seit dem ersten Moment bewusst, dass ich seiner Bitte nachkommen würde, denn ich habe in den Jahren viel von Pater Josef gelernt und bewundere seinen unermüdlichen Einsatz in Jacobina und Umgebung.

Somit war ich in meinen freien Stunden in den letzten Monaten intensiv mit den Nachforschungen und unzähligen Interviews mit Menschen die Pater Alfred auf seinem Lebensweg begleitet haben sehr beschäftigt. In dieser Zeit wurde mir sehr schnell bewusst, dass es sich um einen außerordentlichen Missionar und Vorreiter handelte, der bis zu seinem Lebensende unermüdlich im Einsatz stand. Gleichzeitig allerdings auch, und das hat wohl Dr. Flavio Mesquita – Arzt und ehemaliger Bürgermeister von Jacobina – ein guter Freund von Pater Alfred sehr schön ausgedrückt, um einen Menschen, der wie man heute so schön sagt, sehr schwer “in einer Schublade” einzuordnen ist. So zum Beispiel erzählte mir Dr. Flávio unter anderem: “Pater Alfred mochte die Befreiungstheologie nicht, tat aber alles für die arme Bevölkerung und war jederzeit bereit für sie zu sterben.”

Sein Wunsch Missionar zu werden wurde Pater Alfred, geboren am 05. August 1907 im Stift Heiligenkreuz, in der Nähe von Wien fast in die Wiege gelegt. Den schon in frühen Jahren durfte er mehrmals seine Mutter in das Missionshaus der Steyler Missionare in St. Gabriel zu den Missionarsentsendeferien begleiten. Diese Momente haben ihn stark geprägt und schnell war für ihn klar, das auch er diesen Weg einschlagen wollte.

Pater Alfred nach seiner Ordination

Pater Alfred nach seiner Ordination

Die Möglichkeit dazu ergab sich dann im Jahr 1938, als die Zisterzienser auf Einladung des damaligen Diözesanbischof Hugo Bressane von Bonfim, ausgesandt von Abt Alois Wiesinger aus dem Kloster Schlierbach die Pfarre Jacobina, mit einer Fläche von über 5.000 km2, im Nordosten Brasiliens übernahmen.

Zu Beginn war das Verhältnis der lokalen Bevölkerung geprägt vom Einfluss der Coroneis und der paternalistischen Strukturen zu dem ausländischen Priester allerdings von großem Misstrauen geprägt. Einige fragten sich gar ob sie es als Strafe des Bischofs zu deuten hätten, dass ihre Pfarre mit einem österreichischen Priester besetzt wurde.

Sein Einsatz in den folgenden Jahren war laut Pater Josef Hehenberger, der viele Jahre später nach seiner Ankunft in den ersten Jahren gemeinsam mit Pater Alfred das Pfarrhaus bewohnte: “geprägt durch die Erneuerung der Kirchengemeinschaft. Er hatte keine Angst vor dem Neuen und war einer der ersten die in den Messfeiern nicht mit dem Rücken zur Kirchengemeinde standen.” Auch aus anderen Interviews habe ich erfahren das es Pater Alfred – der zwar immer sehr streng und energisch auftrat, und auch mehrmals Leute anhand ihrer unpassenden Kleidung aus der Kirche verwies – es immer wichtiger war die Gläubigen einzubinden und zur Mitarbeit zur ermutigen.

Diese Initiativen wurden nicht von allen gerne gesehen. So zum Beispiel erzählte mir Schwester Zidalia: “diese Veränderungen führten zu Konflikten. Das lokale Blatt “O Lidador” führte eine regelrechte Hetzkampagne gegen Pater Alfred durch” sowie “einmal, als zu Weihnachten ein Coronel das Orgelspiel verbieten wollte, antwortete im Pater Alfred mit den Worten: Hier in der Kirche entscheide ich was gesungen wird und wer die Orgel spielt!”

Baubeginn der Pfarrschule in der Gemeinde Pedras Altas - 1949

Baubeginn der Pfarrschule in der Gemeinde Pedras Altas – 1949

Besonders wichtig war ihm dabei in all den Jahren nicht nur die spirituelle Begleitung, sondern auch das Bildungs- und Gesundheitswesen. Vor allem in den armen ländlichen Gemeinden die er in den ersten Jahren im Sattel auf dem Rücken eines Maultiers beharrlich besuchte, hat dies zu einer großen Veränderung geführt. Pater Alfred haben die Gemeinden es zu verdanken das im Laufe der Jahre fast 50 Pfarrschulen – dies zu einer Zeit in der es nur drei Schulen in der Stadt Jacobina gab – auf dem Land gegründet wurden und somit viele Kinder und Jugendliche die Möglichkeit hatten eine Schule zu besuchen. Diese Pfarrschulen funktionierten meist integriert in der Kapelle des Dorfes und wurden von jungen Erwachsenen, in der Pfarre selbst von Pater Alfred geschult, organisiert.

Pater Alfred examiniert eine Patientin

Pater Alfred examiniert eine Patientin

Aber auch die Gesundheit lag dem Missionar sehr am Herzen. Aus mehreren Erzählungen und Interviews geht hervor das Pater Alfred stehts ein Stethoskop und einen Sack mit Medikamenten bei sich trug. Seine Diagnosen waren sehr präzise, und für viele kleinere Krankheiten verschrieb er selbst Rezepte. Bei schwereren Erkrankungen sorgte er dafür, dass die Kranken in Jacobina selbst von einem Arzt untersucht wurden.

Dies ist allerdings nur ein kleiner Ausschnitt aus einem sehr bewegten Leben das schwer in einem Porträt zu erfassen ist. Noch dazu, weil er aus heutiger Sicht – obwohl er es nie auf dieses Weise aussprach – ein Vorreiter und mitverantwortlich war, für das was wir heute unter einer Basisgemeinde verstehen. Wie zu Beginn gesagt, die Verantwortung ist groß, aber ich werde mir alle Mühe geben, und nach dem ich die letzten zwei Wochen intensiv das Filmmaterial durchgeschaut habe nun endlich mit dem zusammenstellen der einzelnen Szenen beginnen.

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